Leistungsverzeichnis MoMM-App_final.pdf

Konzeption, Entwicklung und Betrieb einer App für barrierefreie Mobilität

Extrahierter Dokumenttext · Stand: 17.09.2026, 09:31 (Europe/Berlin)

Herkunft: www.deutsche-evergabe.de

Tabellen, Layout und Zeichen können bei der Extraktion abweichen. Maßgeblich ist die Originaldatei.

Originaldatei öffnen

[Seite 1]

Ausschreibung – Smart City Bamberg – MoMM-App

Ausschreibungsdokument - Smart City Bamberg

MoMM-App

Stand: 04.09.2026

Version: 1.0

1

[Seite 2]

Ausschreibung – Smart City Bamberg – MoMM-App

Inhaltsverzeichnis

  1. Grundlegende Informationen zur Umsetzung........................................................................................... 3

1.1 Zweck des Dokuments ......................................................................................................................... 3

1.2 Ziel der Ausschreibung ......................................................................................................................... 3

1.3 Barrierefreies Routing .......................................................................................................................... 4

1.4 Parkplatzrouting ................................................................................................................................... 4

1.5 Mobilitäts-App ..................................................................................................................................... 5

1.6 Allgemeine Aspekte ............................................................................................................................. 5

  1. Vergabeverfahren ...................................................................................................................................... 6

2.1 Bewertungsmatrix ................................................................................................................................ 6

  1. Beschreibung des Softwareprodukts ......................................................................................................... 8

3.1 Gegenstand der Leistung ..................................................................................................................... 8

3.2 Funktionale Anforderungen ................................................................................................................. 8

3.3 Nicht-funktionale Anforderungen ...................................................................................................... 11

3.4 Technische Anforderungen ................................................................................................................ 12

3.5 Design, User Experience und Nutzerbeteiligung................................................................................ 13

3.6 Betrieb, Wartung und Support ........................................................................................................... 14

3.7 Test, Pilotbetrieb und Abnahme ........................................................................................................ 14

3.8 Dokumentation, Schulung und Wissenstransfer ............................................................................... 15

3.9 Organisatorische Anforderungen ....................................................................................................... 15

3.10 Weiterentwicklungsqualität / Evolutionsqualität ............................................................................ 15

3.11 Usertracking ..................................................................................................................................... 16

2

[Seite 3]

Ausschreibung – Smart City Bamberg – MoMM-App

1. Grundlegende Informationen zur Umsetzung

1.1 Zweck des Dokuments

Die im Folgenden beschriebenen Anforderungen und dargelegten Informationen bieten potenziellen Auftragnehmern die Möglichkeit, möglichst optimale Lösungskonzepte für die Softwarelösung zur Umsetzung der aufgeführten Anforderungen an eine App zur Abbildung eines barrierefreien Routings mit der Integration von Parkplatzrouting zu erarbeiten und diese dann umzusetzen. Die beschriebenen Strukturen und Anforderungen sind dabei so formuliert, dass ein Mindeststandard sichergestellt wird und gleichzeitig hohe Offenheit gegenüber den möglichen Lösungsansätzen geboten wird.

1.2 Ziel der Ausschreibung

In mehreren Kommunen existieren bereits einzelne digitale Anwendungen, die Bürgerinnen und Bürgern mit Mobilitätseinschränkungen die Teilhabe am Straßenverkehr erleichtern. Beispielhaft zu nennen sind Anwendungen, die (a) in Echtzeit über die Verfügbarkeit von Schwerbehindertenparkplätzen informieren und dorthin navigieren, sowie (b) individuelles, barrierefreies Routing für Fußgänger:innen und Nutzende von Mobilitätshilfen unter Einbindung von ÖPNV-, Baustellen- und Kartendaten ermöglichen.

Ziel dieser Ausschreibung ist mit den vorhandenen Fördermitteln des Programmes „Modellprojekte Smart Cities“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauen die Beauftragung der Konzeption, Entwicklung, Bereitstellung und des Betriebs einer neuen, in sich geschlossenen mobilen Anwendung (im Folgenden „MoMM-App“), die die Funktionalitäten der barrierefreien Parkplatzsuche/-navigation und des barrierefreien Mobilitäts-Routings in einer einheitlichen Benutzeroberfläche zusammenführt. Bestehende kommunale Insellösungen sollen dadurch mittelfristig abgelöst bzw. konsolidiert und den Nutzenden ein durchgängiges, konsistentes digitales Erlebnis geboten werden.

Die MoMM-App soll so konzipiert werden, dass sie über den Auftraggeber hinaus auf weitere Kommunen und Regionen ausgeweitet werden kann.

Zur Veranschaulichung des angestrebten Funktionsniveaus – ohne das hieraus eine Festlegung auf diese Produkte folgt – lassen sich folgende öffentlich verfügbare Anwendungen heranziehen (siehe vergleichbare Lösung hier: https://gitlab.opencode.de/stadt-kaiserslautern1/navi4all):

• Eine kommunale App zur barrierefreien Anzeige und Navigation zu Schwerbehindertenparkplätzen auf Basis sensorgestützter Echtzeit-Belegungsdaten, mit kartenbasierter Übersicht, sprachgeführter Turn- by-Turn-Navigation, Favoritenfunktion und automatischer Alternativvorschlagslogik bei Belegungsänderung. • Eine kommunale Mobilitätsplattform zur individuellen, barrierefreien Routenplanung für Personen mit unterschiedlichen Mobilitätseinschränkungen, die Nahverkehrs-, Baustellen- und Kartendaten (u. a. OpenStreetMap) zu individuellen Nutzerprofilen kombiniert.

3

[Seite 4]

Ausschreibung – Smart City Bamberg – MoMM-App

Die konkrete technische Umsetzung, Architektur, Bezeichnung der vom Anbieter zu entwickelnden Lösung bleiben dem Wettbewerb der Bieter überlassen.

1.3 Barrierefreies Routing

Die Innenstadt in Bamberg sowie auch die anderen Stadtteile der Stadt halten im öffentlichen Raum Hürden für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen bereit. Hindernisse wie beispielsweise Treppen, Kopfsteinpflaster, erhöhte Randsteine oder Baustellen sind für diese Personengruppe unüberwindbar. Um den besten Weg durch die Innenstadt zu finden, ist eine gute Vorausplanung meist unerlässlich – andernfalls lauert die Frustration, wenn unüberwindliche Hürden den Weg versperren. Die Lebensqualität von permanent und temporär eingeschränkten Personengruppen wird damit im Gegensatz zu nicht eingeschränkten Personengruppen heruntergesetzt. Dieser Umstand könnte mit technischen Hilfsmitteln wie einem barrierefreien Routing geändert werden.

Ziele:

• Nutzende erhalten detaillierte und integrierte Informationen zur Barrierefreiheit im öffentlichen Raum sowie öffentlich zugänglicher Gebäude • Auf Grundlage dieser Datenbasis können Nutzende eine barrierefreie Route von A nach B erstellen • Hürden wie z.B. Treppen, Straßenbelag, hohe Randsteine und Neigung von Bürgersteigen werden bei der Erstellung der optimalen Route berücksichtigt • Eine übersichtliche und leicht bedienbare Oberfläche für das Routing ist aufgebaut und steht zur Verfügung • Nutzende können fehlende oder falsche Informationen zurückmelden • Der Grad und die Art der Einschränkung, die dauerhaft oder temporär sein können, kann hinterlegt werden. Diese Voreinstellung wird bei der Routenplanung berücksichtigt

1.4 Parkplatzrouting

Ausgesuchte Schwerbehindertenparkplätze werden in Bamberg im Zuge eines anderen Projekts mit Sensorik versehen, um den Belegungsstatus erkennen zu können. Mit dieser Information soll es möglich sein in der zu entwickelnden MoMM-App den Belegt- bzw. Frei-Status anzuzeigen. Die Routenführung zu dem ausgewählten Parkplatz soll auch auf den Status-Wechsel von Frei zu Belegt reagieren und einen Hinweis ausgeben. Dazu kommt die Kombination von beiden Routenführungen Barrierefreies Routing und Parkplatzrouting in dem Sinn, dass Nutzende den gewünschten Ort auf der Karte eingeben und daraufhin eine kombinierte Route, erst zum nächstgelegenen, freien Parkplatz und dann zum Zielort vorgeschlagen wird.

4

[Seite 5]

Ausschreibung – Smart City Bamberg – MoMM-App

Ziele:

• Belegt-/Frei-Status der Parkplatzsensoren auf der Karte anzeigen • Routing/ Navigation zum Parkplatz anbieten • Erweiterte Informationen zum Parkplatz aufrufbar (z.B. Bild, Abmessungen, etc.) • Anzeigen des Statuswechsel des Parkplatzes während der Routenführung • Neuen Vorschlag einblenden bzw. ansagen bei Statuswechsel des Parkplatzes • Intuitive, einfach bedienbare und barrierearme Nutzeroberfläche

1.5 Mobilitäts-App

Menschen nutzen verschiedene Arten von Mobilität und kombinieren diese miteinander. Ziel soll sein, dass Nutzende ihre Routen einfach über eine App planen. Die vorgeschlagenen Routen sollen dabei unterschiedliche und verfügbare Mobilitätsmöglichkeiten kombinieren und so die schnellste Route aufzeigen. Dazu soll es aber auch möglich sein, die bevorzugten Arten von Mobilität einzustellen und so auch nicht erwünschte Möglichkeiten auszublenden.

Ziele:

• Start und Ziel der Route eingeben können • Momentanen Standort als Startpunkt übernehmen können • Errechnung der schnellsten oder kürzesten Route (optional) • Auswahl von Arten der Mobilität, die zur Routenplanung genutzt werden sollen • Anzeige der aktuellen Abfahrtszeiten und Live-Status, wenn vorhanden • Änderung von Routenoptionen und Hinzufügen von Zwischenzielen

1.6 Allgemeine Aspekte

Start der MoMM-App: Durch die Abfrage bzw. Eingabe von Einstellungsmöglichkeiten beim ersten Start der MoMM-App und danach durch Aufruf in den Einstellungen kann das Aussehen, die Bedienung und das Verhalten der Routenplanung beeinflusst werden. Dieses zielt im Besonderen auf die Einstellung der verfügbaren Mobilitätsprofile ab.

Die Bedienbarkeit aller drei vorab vorgestellten App-Funktionalitäten sind voll integriert und können durch ein durchgängiges Bedienkonzept bedient und benutzt werden. Dabei sind die CI-Richtlinien der Stadt Bamberg zu beachten und diese für Umsetzungen in anderen Städten einfach konfigurier- bzw. änderbar sein.

Die gesamte Softwareentwicklung wird am Ende durch den Dienstleister auf OpenCode.de veröffentlicht und ist damit in OpenSource zu entwickeln. Detaillierte Informationen sind hierzu im Kapitel 3.10.1 ausgeführt.

5

[Seite 6]

Ausschreibung – Smart City Bamberg – MoMM-App

2. Vergabeverfahren

Ein erster lauffähiger Softwareprototyp der MoMM-App soll bis zum 23.12.2026 vorliegen. Die finale Fassung soll bis zum 28.02.2027 vorliegen. Nach dieser Entwicklungsphase werden vom Auftraggeber User-Tests vor Ort durchgeführt, um die Benutzerfreundlichkeit und Funktionalität der Anwendung zu evaluieren. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und Rückmeldungen sollen als Anpassungen in eine weitere Entwicklungsschleife einfließen, sodass die Software gezielt optimiert und an die Bedürfnisse der Nutzenden angepasst werden kann. Diese zweite Entwicklungsschleife soll bis 30.04.2027 fertiggestellt sein.

Der Betrieb der Software soll zunächst bis einschließlich Oktober 2027 laufen. Die Kosten für Hosting und Betrieb sind im Angebot einzeln und jährlich auszuweisen.

Ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO ist verbindlicher Bestandteil der Auftragserteilung und wird vom Anbieter bei Vertragsschluss unterzeichnet. Durch den Auftragnehmer sowie durch von ihm derzeit oder künftig beauftragte Subunternehmer erfolgt keine Datenverarbeitung in Drittstaaten entsprechend § 80 Abs. 2 SGB X. Zwischen dem Auftraggeber und dem Auftragnehmer wird ein Vertrag auf Basis des EVB-IT Erstellungsvertrages geschlossen.

2.1 Bewertungsmatrix

Der Auftraggeber bewertet alle gültigen Angebote mit folgender Bewertungsmatrix:

Mindestens 2 Referenzen (Open-Source-Entwicklung)k.o. Kriterium
Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherung: Der Bieter verfügt über eine Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherung mit einer Mindestdeckungssumme von 1.000.000 € für Personenschäden und 500.000 € für Sach- und Vermögensschäden (inkl. Datenschutzverletzungen), zweifach maximiert pro Versicherungsjahr. Der Nachweis kann durch eine Eigenerklärung mit Verpflichtung zum Abschluss im Zuschlagsfall erfolgen.k.o. Kriterium
Konzept zum Abschluss der Softwareentwicklung bis 30.04.2027 15 = geplanter Abschluss der Entwicklung zum 30.04.2027 10 = geplanter Abschluss der Entwicklung zum 31.05.2027 5 = geplanter Abschluss der Entwicklung zum 30.06.2027 0 = geplanter Abschluss der Entwicklung später 30.06.202715

6

[Seite 7]

Ausschreibung – Smart City Bamberg – MoMM-App

Preis Berechnung: Das preisgünstigste Angebot erhält die volle Punktzahl (25 Punkte), die Punktzahl der übrigen Angebote wird linear im Verhältnis zum günstigsten Angebot ermittelt (Punktzahl = 25 × niedrigster Preis / Angebotspreis).25
Referenzen (Softwareentwicklungsprojekte aus dem Bereich Routing, Anbindung von Sensordaten oder App-Entwicklung) 10 = 2 Referenzen + 1 Referenz in Zusammenarbeit mit einem öffentlichen Auftraggeber nach §§ 98 f. GWB 7,5 = 2 Referenzen 5 = 1 Referenz 0 = 0 Referenzen10
Qualifikation und Erfahrung der Mitarbeitenden (Beschreibung Qualifikation, Erfahrung und Referenzen in bis zu 5 Sätzen pro Mitarbeitenden der im Team für dieses Projekt zuständig sein wird, kein vollständiger Lebenslauf erforderlich)15
Software-Grobkonzept Inhalt: - Ähnlich eines Pflichtenheftes, orientiert an den Anforderungen aus Kapitel 3 (Darstellung der erfüllten Anforderungsnummer im Konzept erkennbar) - Maximal 8 Seiten in dem zu jedem Unterpunkt kurze Ausführungen gemacht werden 35 = Das Konzept löst die Anforderungen sehr gut 30 = Das Konzept löst die Anforderungen gut 20 = Das Konzept löst die Anforderungen befriedigend 10 = Das Konzept löst die Anforderungen ausreichend 5 = Das Konzept löst die Anforderungen mangelhaft 0 = Das Konzept löst die Anforderungen ungenügend35
Summe100

Das Angebot, welches alle K.O.-Kriterien erfüllt und die höchste Punktzahl erreicht, erhält den Zuschlag.

Nachfolgend werden die grundlegenden Anforderungen an die Anwendung dargestellt. Weitere Details der Umsetzung werden nach Auftragsvergabe in gemeinsamer Rücksprache und bei regelmäßigen Terminen festgelegt.

7

[Seite 8]

Ausschreibung – Smart City Bamberg – MoMM-App

3. Beschreibung des Softwareprodukts

3.1 Gegenstand der Leistung

Gegenstand der Ausschreibung ist die Leistung gemäß nachfolgender Beschreibung, gegliedert in folgende Leistungsbestandteile:

• Konzeption und UX/UI-Design einer einheitlichen mobilen Anwendung (iOS und Android) sowie optional eines Web-Portals; • Entwicklung der Softwarefunktionen; • Umsetzung der Anforderungen an Barrierefreiheit, Datenschutz und IT-Sicherheit; • Aufbau bzw. Anbindung der technischen Infrastruktur und Schnittstellen; • Durchführung von Tests, Nutzerbeteiligung und Abnahme; • Bereitstellung von Dokumentation und Schulung; • Betrieb, Wartung, Support und Weiterentwicklung über die Vertragslaufzeit.

Nicht Gegenstand dieser Leistung ist die Bereitstellung physischer Infrastruktur (z. B. Bodensensorik auf Parkplätzen); diese wird vom Auftraggeber gestellt bzw. bereits erhobene Sensordaten über eine noch zu spezifizierende Schnittstelle bereitgestellt.

3.2 Funktionale Anforderungen

Die nachfolgenden Anforderungen beschreiben die vom Auftraggeber gewünschte Funktionalität ergebnisorientiert. Die Bieter haben in ihrem Angebot darzustellen, wie und mit welchen technischen Mitteln sie die jeweilige Anforderung erfüllen. Alle optionalen Anforderungen sind unter der laufenden Nummer mit „O“ gekennzeichnet und müssen nicht, aber können ins Konzept einbezogen werden.

3.2.1 Gemeinsame Basis- und Oberflächenfunktionen

Nr. Anforderung

FA-01 Die MoMM-App bietet eine einheitliche, modulübergreifende Benutzeroberfläche, über die sowohl die Parkraum-Suche als auch die barrierefreie Routenplanung ohne Medienbruch und ohne (erneute) Anmeldung genutzt werden können.

FA-02 Von einem zentralen Einstiegspunkt (Startbildschirm/Karte) aus sind beide Kernfunktionen (Parken, Routing) gleichwertig erreichbar.

FA-03 Eine interaktive Kartenansicht zeigt Standort der Nutzenden, Parkmöglichkeiten, Points of Interest sowie Routen in konsistenter, farblich klar unterscheidbarer Darstellung an.

8

[Seite 9]

Ausschreibung – Smart City Bamberg – MoMM-App

FA-04 Umschaltbares helles und dunkles Kartenlayout (Light-/Dark-Mode) sowie kontraststarke Darstellungsvarianten sind verfügbar.

FA-05 Adress- und Zielsuche per Texteingabe sowie Spracheingabe ist modulübergreifend nutzbar.

FA-06 Push-Benachrichtigungen (z. B. Statusänderung eines gemerkten Parkplatzes, Routing-Hinweise, Störungsmeldungen) sind konfigurierbar und können aktiviert/ deaktiviert werden.

FA-07 Favoritenfunktion für häufig genutzte Ziele, Parkplätze und Routen mit schnellem Zugriff.

3.2.2 Modul „Barrierefreies Parken“

Funktionsumfang orientiert sich beispielhaft an bestehenden Lösungen zur Navigation zu Schwerbehindertenparkplätzen; die Priorisierung erfolgt ergebnisoffen.

Nr. Anforderung

FA-10 Anzeige der Echtzeit-Verfügbarkeit (frei/belegt/unbekannt) von ausgewiesenen Behinderten- bzw. besonderen Bedarfsparkplätzen auf der Karte, farblich codiert.

FA-11 Anbindung an vom Auftraggeber bereitgestellte bzw. offene Sensor-/Belegungsdaten (Open Data- Schnittstellen, z. B. im Format gemäß Ziffer 5.3) zur Aktualisierung der Verfügbarkeit in Echtzeit oder Near-Echtzeit.

FA-12 Umkreissuche mit individuell einstellbarem Suchradius um ein definiertes Ziel.

FA-13 Sprachgeführte Turn-by-Turn-Navigation zum ausgewählten Parkplatz inklusive Entfernungs- und Ankunftszeitangabe.

FA-14 Automatische Neuberechnung der Route bzw. Vorschlag eines alternativen Parkplatzes, sofern sich der Belegungsstatus des Ziels während der Fahrt ändert.

FA-15 Optionale Weiterleitung/Übergabe der Navigation an externe Navigations-Apps (z. B. via Deeplink) als Fallback.

FA-16 Speichern von favorisierten Parkplätzen

FA-17 Anzeige ergänzender Parkplatzmerkmale (u. a. Einfahrtshöhe, Ausstattung, Öffnungszeiten, Kosten, E- Ladepunkte, Frauenparkplätze), sofern entsprechende Daten vorliegen. O

FA-18 Erweiterbarkeit auf weitere Parkraumkategorien (z. B. öffentliche Parkhäuser, Kurzzeitparkplätze) im Rahmen des modularen Konzepts. O

9

[Seite 10]

Ausschreibung – Smart City Bamberg – MoMM-App

3.2.3 Modul „Barrierefreies Mobilitäts-Routing“

Funktionsumfang orientiert sich beispielhaft (siehe Ziffer 1.1) an bestehenden kommunalen Routing- Plattformen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.

Nr. Anforderung

FA-20 Intermodale Routenplanung (z.B. zu Fuß, mit Mobilitätshilfen wie Rollstuhl/Rollator, ÖPNV) von einem Start- zu einem Zielpunkt.

FA-21 Individuell konfigurierbare Nutzerprofile, die die Routenberechnung an persönliche Mobilitätsanforderungen anpassen (z. B. Vermeidung von Treppen/Stufen, maximale Steigung, bevorzugte Wegbreite, taktile Leitsysteme, Vermeidung von Baustellen).

FA-22 Einbindung von Echtzeit- bzw. tagesaktuellen Störungsdaten (Baustellen, Umleitungen, gesperrte Wege) in die Routenberechnung.

FA-23 Integration von ÖPNV-Fahrplan- und Echtzeitdaten (Ankunfts-/Abfahrtszeiten, Verspätungen, Barrierefreiheit von Haltestellen und Fahrzeugen) über standardisierte Schnittstellen (z. B. GTFS/GTFS- RT, DEFAS).

FA-24 Nutzung offener Kartendaten (z. B. OpenStreetMap) als Basiskartenwerk sowie Möglichkeit der Ergänzung um kommunale Zusatzinformationen (wichtige städtische Orte, öffentliche Toiletten, Sitzgelegenheiten).

FA-25 Sprachgeführte, barrierefreie Turn-by-Turn-Wegführung analog Ziffer FA-13 auch für Fußwege/ÖPNV- Umstiege.

FA-26 Möglichkeit für Nutzende, Hindernisse oder Barrieren im öffentlichen Raum zu melden (Mängelmelder- Funktion) inkl. Foto- und Standortangabe. (z.B. Open311)

FA-27 Darstellung alternativer Routenvorschläge mit Vergleich (z. B. Zeit, Barrierefreiheitsgrad, Anzahl Umstiege). O

3.2.4 Datenintegration und Schnittstellen (funktionale Sicht)

Nr. Anforderung

FA-30 Bereitstellung und Nutzung offener Programmierschnittstellen (APIs) zur Anbindung kommunaler Open- Data-Portale, Sensorik-Plattformen und ÖPNV-Datendrehscheiben.

10

[Seite 11]

Ausschreibung – Smart City Bamberg – MoMM-App

3.3 Nicht-funktionale Anforderungen

3.3.1 Barrierefreiheit

Barrierefreiheit ist zentrales Qualitätsmerkmal der Leistung und keine nachrangige Zusatzanforderung.

Nr. Anforderung

NF-01 Konformität mit den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2, Konformitätsstufe AA, für alle App- und ggf. Webinhalte.

NF-02 Konformität mit EN 301 549 (Barrierefreiheitsanforderungen für IKT-Produkte und -Dienstleistungen) sowie den Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) bzw. der BITV 2.0, soweit einschlägig.

NF-03 Vollständige Kompatibilität mit gängigen Screenreadern (u. a. VoiceOver, TalkBack).

NF-04 Unterstützung von Sprachsteuerung/Spracheingabe für zentrale Funktionen.

NF-05 Individuell anpassbare Darstellung (Schriftgröße, Kontrast, Farbschema) sowie Unterstützung von Systemeinstellungen des Betriebssystems.

NF-06 Einfache, konsistente und in nutzerzentrierten Tests validierte Bedienbarkeit; verständliche Sprache (nach Möglichkeit ergänzend Leichte Sprache für zentrale Informationsseiten).

NF-07 Einbindung von Interessenvertretungen von Menschen mit Behinderung (z. B. Behindertenbeauftragte, Sehbehinderten-/Blindenverbände, Inklusionsbeirat) in Konzeption, Testphase und Weiterentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber

3.3.2 Datenschutz und Informationssicherheit

Nr. Anforderung

NF-10 Vollständige Konformität mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG); Erstellung eines Datenschutzkonzepts inkl. Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten und Löschkonzept.

NF-11 Grundsatz der Datenminimierung; Standortdaten werden nur verarbeitet, soweit für die Kernfunktion erforderlich, und nicht ohne Einwilligung an Dritte weitergegeben.

NF-12 Möglichkeit zur anonymen bzw. pseudonymen Nutzung der Kernfunktionen ohne verpflichtende Registrierung.

NF-13 Umsetzung von IT-Sicherheitsmaßnahmen nach dem Stand der Technik (u. a. Transportverschlüsselung, sichere Authentifizierung, regelmäßige Sicherheitsupdates) sowie Orientierung an einschlägigen BSI-Grundschutzanforderungen.

11

[Seite 12]

Ausschreibung – Smart City Bamberg – MoMM-App

NF-14 Durchführung bzw. Ermöglichung unabhängiger Sicherheitsprüfungen (Penetrationstests) vor Produktivsetzung und in regelmäßigen Abständen. O

NF-15 Hosting der Anwendung und Verarbeitung personenbezogener Daten innerhalb der Europäischen Union bzw. des Europäischen Wirtschaftsraums.

3.3.3 Performance, Verfügbarkeit und Skalierbarkeit

Nr. Anforderung

NF-20 Definierte Verfügbarkeit des Backends im Produktivbetrieb von mindestens 98 % im Jahresmittel (außerhalb angekündigter Wartungsfenster).

NF-21 Antwortzeiten der Kernfunktionen (Kartenaufbau, Routenberechnung, Verfügbarkeitsabfrage) unter üblichen Mobilfunkbedingungen im Sekundenbereich.

NF-22 Modularer, mandantenfähiger Aufbau, der die spätere Einbindung weiterer Kommunen, Regionen und Datenquellen ohne grundlegende Neuentwicklung ermöglicht.

NF-23 Horizontale Skalierbarkeit der Backend-Infrastruktur zur Bewältigung wachsender Nutzerzahlen.

3.4 Technische Anforderungen

3.4.1 Plattformen und Endgeräte

Nr. Anforderung

TA-01 Native oder plattformübergreifende Bereitstellung für iOS und Android mit Veröffentlichung im Apple App Store und Google Play Store.

TA-02 Unterstützung der jeweils aktuellen sowie mindestens der zwei vorangegangenen Hauptversionen der Betriebssysteme.

TA-03 Optionale Bereitstellung einer responsiven Web-Anwendung für den Zugriff über Desktop-Browser.

O

12

[Seite 13]

Ausschreibung – Smart City Bamberg – MoMM-App

3.4.2 Architektur und Quelloffenheit

Nr. Anforderung

TA-10 Darstellung der vorgeschlagenen technischen Architektur (Frontend, Backend, Datenhaltung, Schnittstellen) im Angebot.

TA-11 Bereitstellung des im Rahmen des Auftrags entwickelten Quellcodes auf OpenCode.de unter einer dort aufgelisteten Open-Source-Lizenz (Vorschlag des Auftraggebers: EUPL 1.2) bzw. Einräumung umfassender, zeitlich und räumlich unbeschränkter Nutzungs- und Bearbeitungsrechte an den Auftraggeber gemäß den Vertragsbedingungen.

TA-12 Verwendung offener Standards und offener Routing-/Kartenkomponenten, soweit möglich, zur Vermeidung von Anbieterabhängigkeit (Vendor-Lock-in).

TA-13 Bereitstellung einer dokumentierten Programmierschnittstelle (API), über die Drittsysteme (z. B. Mobilitätsportale der Kommune) auf ausgewählte Daten zugreifen können. O

3.4.3 Datenanbindung

Nr. Anforderung

TA-20 Anbindung an die vom Auftraggeber bereitgestellten Echtzeit-Sensordaten für Parkraumbelegung (Format und Schnittstelle werden im Rahmen der Angebotsphase abgestimmt).

TA-21 Anbindung an ÖPNV-Datenquellen (regionaler Verkehrsverbund) über Standardformate (GTFS/GTFS-RT, DEFAS oder gleichwertig).

TA-22 Anbindung an kommunale Open-Data-Portale sowie OpenStreetMap oder vergleichbare offene Kartendienste.

3.5 Design, User Experience und Nutzerbeteiligung

Nr. Anforderung

UX-01 Erstellung eines einheitlichen Gestaltungskonzepts (Corporate Design im Einklang mit Vorgaben des Auftraggebers) inkl. Klick-Prototyp vor Entwicklungsbeginn.

UX-02 Durchführung nutzerzentrierter Tests mit Menschen mit unterschiedlichen Mobilitäts- und Sinneseinschränkungen in Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber

13

[Seite 14]

Ausschreibung – Smart City Bamberg – MoMM-App

UX-03 Iterativ-agiles Vorgehen mit regelmäßiger Einbindung von Rückmeldungen aus Nutzertests und Pilotbetrieb.

UX-04 Bereitstellung einer Feedback-Funktion innerhalb der MoMM-App für Verbesserungsvorschläge und Fehlermeldungen.

3.6 Betrieb, Wartung und Support

Neben der Erstentwicklung umfasst die Leistung den Betrieb der Anwendung über eine Vertragslaufzeit bis 31.12.2027 ab Produktivsetzung, mit Option auf Verlängerung.

Nr. Anforderung

BW-01 Bereitstellung und Betrieb der erforderlichen Serverinfrastruktur (Hosting) inkl. Monitoring.

BW-02 Behebung von Fehlern (Bugfixing) gestaffelt nach Schweregrad mit definierten Reaktions- und Behebungszeiten (Service-Level-Agreement)

BW-03 Bereitstellung von Sicherheits- und Kompatibilitätsupdates (z. B. bei neuen Betriebssystemversionen) über die gesamte Vertragslaufzeit.

BW-04 Kontinuierliche Pflege und Aktualisierung der angebundenen Datenquellen.

BW-05 Ansprechbarer Support für den Auftraggeber während der üblichen Geschäftszeiten; Eskalationsweg für kritische Störungen.

BW-06 Optionale Weiterentwicklung im Rahmen eines vereinbarten Kontingents (z. B. 10 Personentage pro Jahr) für neue Funktionen oder die Einbindung weiterer Kommunen. O

3.7 Test, Pilotbetrieb und Abnahme

• Vorlage eines Test- und Qualitätssicherungskonzepts (funktionale Tests, Barrierefreiheitsprüfung, Sicher- heitstest, Lasttest) vor Produktivsetzung.

• Durchführung eines Pilot-/Beta-Betriebs mit ausgewählten Nutzergruppen von mindestens 2 Wochen Dauer vor der finalen Abnahme.

• Förmliche Abnahme anhand eines gemeinsam abgestimmten Abnahmekatalogs, der die Muss-Kriterien dieses Leistungsverzeichnisses vollständig abdeckt.

• Nachweis der Barrierefreiheitskonformität durch einen Prüfbericht einer unabhängigen Prüfstelle oder gleichwertige Nachweise.

14

[Seite 15]

Ausschreibung – Smart City Bamberg – MoMM-App

3.8 Dokumentation, Schulung und Wissenstransfer

• Vollständige technische Dokumentation (Architektur, Schnittstellen, Betriebshandbuch).

• Anwenderdokumentation bzw. Hilfefunktion innerhalb der MoMM-App, barrierefrei aufbereitet.

• Schulungsunterlagen für Administration und Redaktion des Systems.

• Übergabekonzept für den Fall der Beendigung des Vertragsverhältnisses, das eine Fortführung des Be- triebs oder den Wechsel des Auftragnehmers ohne Funktionsverlust sicherstellt (Exit-Management).

3.9 Organisatorische Anforderungen

Im Fall der Auftragserteilung sind folgende organisatorische Anforderungen umzusetzen:

• Die Kommunikation und Abstimmung mit dem Auftraggeber erfolgen in deutscher Sprache. • Bietende müssen eventuell benötigte Unterlagen selbständig beschaffen. Eventuell dafür anfallende Kosten tragen die Anbieter selbst. • Aufwendungen, die den Bietern bei der Angebotserstellung und im weiteren Verlauf des Verfahrens entstehen, werden nicht erstattet. • Der Bietende muss fachkundiges Personal im Bereich App- und Webentwicklung einsetzen und die Qualifikation und Erfahrung des Personals im Angebot darlegen. Dafür sollen im Angebot die vom Auftragnehmer für das mögliche Projekt vorgesehenes Personal benannt, sowie Qualifikation, Erfahrung und Referenzen des Personals in bis zu 5 Sätzen dargelegt werden. • Die Entwicklung des Produkts soll iterativ und in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber erfolgen.

3.10 Weiterentwicklungsqualität / Evolutionsqualität

3.10.1 Übertragbarkeit und Dokumentation

Die Software muss unter einer Open-Source-Lizenz entwickelt und auf www.open-code.de veröffentlicht und dokumentiert werden. Der Auftraggeber stellt dafür ein GIT Repository bereit. Sie muss auch durch andere Kommunen weiterentwickelt und ohne Lizenzgebühren betrieben werden können.

Die Auswahl einer Lizenz erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber, eine Option könnte zum Beispiel die EUPL-1.2 Lizenz sein.

15

[Seite 16]

Ausschreibung – Smart City Bamberg – MoMM-App

Es muss eine umfangreiche technische Dokumentation, sowie CI-Richtlinien und ein Admin-Handbuch erstellt werden, um die Administrierbarkeit, Wartbarkeit und Übertragbarkeit der Anwendung sicherzustellen. Diese Dokumente dienen als Grundlage für den langfristigen Betrieb, die Weiterentwicklung sowie eine mögliche Übergabe an externe Dienstleister.

Eine Liste der zulässigen und nicht zulässigen Open-Source Lizenzen findet sich unter: https://wikijs.opencode.de/de/Hilfestellungen_und_Richtlinien/Lizenzcompliance

3.11 Usertracking

Die MoMM-App soll DSGVO-konformes Tracking mittels Matomo Analytics ermöglichen, um die Nutzung anonymisiert zu analysieren und die Benutzerfreundlichkeit zu optimieren. Dazu sollen regelmäßige Berichte zur Nutzung erstellt und zugesandt werden.

Getrackt und aussagekräftig visualisiert werden sollen folgende Metriken:

• Installs • Daily Active Users (aktive Nutzende innerhalb von 24 Stunden) • Weekly Active Users (aktive Nutzende innerhalb von 7 Tagen) • Monthly Active Users (aktive Nutzende innerhalb von 30 Tagen) • User Flows (Navigation und Screen Transitions) • Durchschnittliche Nutzungszeit gesamt • Verweildauer auf einzelnen Screens • Aufrufe einzelner Screens pro Sitzung • Anzahl bestimmter Interaktionen wie Swipes, Taps, und Scrolls für einzelne Screens

16

Alle Unterlagen dieser Ausschreibung