3.3.6.1_AU_Kampfmittelauskunft.pdf

Erneuerung eines Durchlasses in Berg (Pfalz) durch Verrohrung ohne Gleissperrung

Extrahierter Dokumenttext · Stand: 13.09.2026, 16:32 (Europe/Berlin)

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K

AMPFMITTELVORERKUNDUNG

Die Bahnstrecke 3400 zwischen Neuburg am Rhein und Berg (Pfalz) am 28.08.1945 (Flugnummer: 104W-LIB-121, #3319, Ausgangsmaßstab ca. 1 : 15.000)

„NEUBURG AM RHEIN, STRECKE 3400, KM 58,4-59,0“

A

USWERTUNGSPROTOKOLL

Kampfmittelrisikoprüfung durch kombinierte Luftbild- und Aktenauswertung

Auftraggeber: Deutsche Bahn AG Projekt: Neuburg am Rhein, Strecke 3400, km 58,4-59,0 Datum des Auftrages: 09.02.2023 Abgabedatum: 24.05.2023

  1. Gutachter: Mario Griesbeck, M. Sc.
  2. Gutachter: Dipl.-Geogr. Daniel Großmann Historische Recherche: Marius Lein, B. Sc. Unser Zeichen: 230127501 Bestellung: 0016 / RL1 / 11902713

Dieses Gutachten bleibt unbeschadet des Nutzungsrechtes des Auftraggebers geistiges Eigentum der LUFTBILDDATENBANK DR. CARLS GMBH. Die projektbezogene Weitergabe darf ausschließlich als Gesamtwerk in unveränderter Form erfolgen. Eine Veröffentlichung (z.B. online) bedarf der Rücksprache mit der LUFTBILDDATENBANK DR. CARLS GMBH.

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1

Inhaltsverzeichnis

  1. ZUSAMMENFASSUNG ................................................................................................ 3

  2. AUFGABENSTELLUNG ................................................................................................ 3

  3. AUSWERTUNGSGRUNDLAGEN ..................................................................................... 4

3.1 Akten, Fachliteratur und sonstige Quellen ...................................................... 4

3.2 Luftaufnahmen ............................................................................................ 5

3.3 Bewertung der Auswertungsgrundlagen .......................................................... 6

  1. ERGEBNISSE DER AUSWERTUNG ................................................................................... 6

4.1 Akten, Fachliteratur und sonstige Quellen ...................................................... 6

4.2 Luftaufnahmen ............................................................................................ 7

  1. FAZIT ................................................................................................................. 10

  2. QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS ........................................................................ 11

6.1 Quellen ................................................................................................... 11

6.2 Literatur.................................................................................................... 11

6.3 Internetdokumente ..................................................................................... 12

ANHANG I: ANGRIFFSLISTE NEUBURG AM RHEIN – BERG (PFALZ) ................................................. 13

ANHANG II: METHODIK DER KAMPFMITTELVORERKUNDUNG ....................................................... 15

Ziel der Kampfmittelvorerkundung ......................................................................... 15

Ursachen der potentiellen Kampfmittelbelastung ...................................................... 15

Arbeitsgrundlagen und deren Beschaffung .............................................................. 15

Vorgehensweise ................................................................................................... 16

ANLAGE: ERGEBNISKARTE

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  1. ZUSAMMENFASSUNG

Das vorliegende Gutachten zum Projektgebiet „Neuburg am Rhein, Strecke 3400, km 58,4-59,0“ wurde im Rahmen der historischen Kampfmittelvorerkundung erstellt. Es liefert Erkenntnisse über eine mögliche Belastung mit Kampfmitteln. Die Auswertung stützt sich auf 48 Luftaufnahmen vom 07.05.1940 bis 21.09.1945 sowie schriftliche Quellen und führt zu folgendem Ergebnis:

Im Projektgebiet „Neuburg am Rhein, Strecke 3400, km 58,4-59,0“ konnte eine potentielle Kampfmittelbelastung ermittelt werden.

Im gesamten Projektgebiet muss mit blindgegangenen Geschützgranaten gerechnet werden.

Gemäß Baufachlicher Richtlinien Kampfmittelräumung besteht weiterer Erkundungsbedarf (KATEGORIE 2).1 Zur Klärung der weiteren Vorgehensweise empfehlen wir die Konsultation eines Fachplaners für Kampfmittelräumung.

  1. AUFGABENSTELLUNG

Gegenstand der Luftbild- und Aktenauswertung ist die Bahnstrecke Wörth-Strasbourg (Streckennummer 3400) von Kilometer 58,4 bis 59,0 zwischen Neuburg am Rhein und Berg (Pfalz) im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz (vgl. Abb. 1).

Zur Prüfung der potentiellen Kampfmittelbelastung werden Unterlagen zum Zweiten Weltkrieg systematisch auf folgende Verursachungsszenarien untersucht: Luftangriffe, Bodenkämpfe, Munitionsvernichtung, militärischer Regelbetrieb, Munitionsproduktion und -lagerung.2 Dazu zählen unter anderem Blindgängerverdachtspunkte, Bombentrichter, bombardierte Flächen, Gebäude- schäden, Spuren von Bodenkämpfen, militärisch genutzte Areale oder potentielle Entsorgungs- bereiche.

1 BMI & BMVG 2018, BFR KMR, S. 46, Web [1]. 2 BMI & BMVG 2018, BFR KMR, S. 151-182, Web [1].

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Abb. 1: Lage des Projektgebietes (hellblau markiert) mit hinterlegtem aktuellem Luftbild (©Microsoft Corporation).

  1. AUSWERTUNGSGRUNDLAGEN

3.1 Akten, Fachliteratur und sonstige Quellen

Für die Ermittlung historischer Daten der für die Kampfmittelvorerkundung wesentlichen Kriegsereignisse greift die Luftbilddatenbank Dr. Carls GmbH auf umfangreiche Bestände an Text- und Bilddokumenten verschiedener nationaler und internationaler Archive sowie eine eigene, ständig aktualisierte Bibliothek mit über 1.400 Titeln zurück. Neben der Auswertung einschlägiger Literatur ermöglicht eine interne datenbanktechnische Aufarbeitung von Archivalien einen umfassenden und schnellen Zugriff auf aussagekräftige Quellen; sie dient als Ausgangspunkt für weitere Nachforschungen in Internetdokumenten, Fachdatenbanken, Katalogen, Archiven und Sammlungen. Zur weiteren Erfassung kampfmittelrelevanter Informationen werden historische Vereine, lokale Experten und eventuelle Zeitzeugen kontaktiert.

Die Bestände folgender Archive werden für das vorliegende Gutachten „Neuburg am Rhein, Strecke 3400, km 58,4-59,0“ als ausschlaggebend erachtet und herangezogen (vgl. Kap. 4.1):

• U.S. National Archives and Records Administration (NARA, College Park MD, US- amerikanisches Nationalarchiv) • U.S. Air Force Historical Research Agency (AFHRA, Maxwell AL, Archiv der US- amerikanischen Luftstreitkräfte) • The National Archives (TNA, Kew, britisches Nationalarchiv) • Ike Skelton Combined Arms Research Library (CARL, Fort Leavenworth KS, Bibliothek der US-amerikanischen Streitkräfte) • Bundesarchiv der BRD (BArch)

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3.2 Luftaufnahmen

Die Recherche der historischen Bildflüge erfolgte in den britischen Archivbeständen des Joint Air Reconnaissance Intelligence Centre (JARIC) und der Allied Central Interpretation Unit (ACIU), der amerikanischen NARA, dem deutschen Bundesarchiv (BArch), der kanadischen National Air Photo Library Ottawa (NAPL), den niederländischen Luftbildsammlungen Kadaster und Wageningen sowie dem firmeneigenen Bestand der Luftbilddatenbank Dr. Carls GmbH (LBDB).

Für das Projekt „Neuburg am Rhein, Strecke 3400, km 58,4-59,0“ wurden die in Tabelle 1 aufgelisteten Luftbildserien ausgewertet. Die Aufnahmen liegen als digitale Scans in einer Auflösung von 1.200 dpi vor, um alle Bilddetails erfassen zu können.3 Die Bildpaare können zu stereoskopischen Auswertungszwecken verwendet werden:

Tab. 1: Liste der verwendeten Luftbilder

Maßstab
Lfd. Nr.Flug-Nr.FlugdatumBild-Nr.MengeBildpaare
[ca. 1 : X]
1FAA-01007.05.194045.00010591-
2HAA-04104.06.194050.000209-21021
3106G-041113.05.194448.00070271-
47-157227.05.194460.00080301-
57-223906.07.194460.00070101-
67-235318.07.194464.0007133-713421
77-318608.09.194415.0004101-410332
8106G-278011.09.194457.0006039-604021
9106G-347401.11.19449.0004193-419421
10106G-390324.12.194414.0003016-301832
1134-332729.01.194510.00040511-
127-065A09.02.194547.00080241-
137-388209.02.194550.0008001-800221
14106G-431015.02.19459.0003017-301932
1534-345223.02.194510.0004069-407021
167-401425.02.194550.00070521-
1734-347528.02.194511.0004044-404521
187-118A01.03.194513.0004018-401921
197-125A02.03.194550.00080161-
2034-352113.03.194512.0003063-306421
2134-357718.03.194510.0004013-401532
227-060D19.03.194546.0007005-700621
2334-364523.03.194510.0004099-410021
24365-BS-2102-1109.07.194540.000164-16521
25104W-LIB-12128.08.194515.0003318-331921
263G-MEW-S337-21.09.194540.0005024-502521
Summe:4822

3 BMI & BMVG 2018, BFR KMR, S. 200, Web [1].

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3.3 Bewertung der Auswertungsgrundlagen

Für die Region Neuburg am Rhein/Berg (Pfalz) stehen Akten aus der AFHRA, dem BArch, der CARL und der NARA, regionale und überregionale Fachliteratur sowie online recherchierte Informationen zur Verfügung.

Es liegen zwei Luftbildserien aus 1940 sowie 24 weitere ab Mai 1944 vor. Die Situation nach der Einnahme wird ab dem 09.07.1945 durch drei Befliegungen dokumentiert, davon eine im Detailmaßstab.

Diese Grundlagen liefern detaillierte Informationen zum Luft- und Bodenkrieg in der Gegend, somit kann eine belastbare Risikobewertung erfolgen.

  1. ERGEBNISSE DER AUSWERTUNG

4.1 Akten, Fachliteratur und sonstige Quellen

Die Analyse der Unterlagen führte zu dem Ergebnis, dass die Region im Zweiten Weltkrieg insgesamt fünfmal von strategischen und taktischen alliierten Luftangriffen betroffen war.4 Diese wurden zwischen August 1940 und März 1945 von der Ninth und der First Tactical Air Force der United States Army Air Forces sowie der britischen Royal Air Force unter Einsatz von Spreng-, Brand- und Splitterbomben sowie Bordwaffen5 durchgeführt und richteten sich gegen Verkehrsziele sowie Truppen in der Region.6 Die Bewertung des Luftangriffs vom 31.08./01.09.1940, der luftsichtig nicht zeitnah erfasst wurde, erfolgt auf Basis der Akten. Hierbei fielen 30 Brandbomben nicht näher lokalisierbar in der Umgebung von Neuburg (mind. 1,4 km nordöstlich).7 Aufgrund der Entfernung ist nicht davon auszugehen, dass das Projektgebiet davon betroffen war. Es liegen keine Hinweise auf Bombenabwürfe im Projektgebiet vor (vgl. auch Kap. 4.2). Eine detaillierte Angriffsliste ist ANHANG I zu entnehmen.

Erste Bodenkampfhandlungen bei Berg und Neuburg gab es bereits im Herbst 1939 und Frühling 1940 in Form von Scharmützeln deutscher Einheiten mit französischen Spähtruppen.8 Es liegen keine Hinweise vor, dass die Bahnstrecke hiervon betroffen war. Ab dem 16.12.1944 rückten Einheiten der 79th US-Infantry Division auf die Region vor.9 Aufgrund der unmittelbaren Nähe zu den Westwall-Stellungen kam es in Berg und Neuburg zwischen dem 17.12.1944 und 03.01.1945 zu intensiven Gefechten mit Handfeuerwaffen sowie starkem Panzer-, Artillerie- und Mörserfeuer.10 Das Projektgebiet war von dem Beschuss betroffen (vgl. Kap. 4.2). Im Zuge der deutschen Gegenoffensive („Unternehmen Nordwind“) zogen sich die US-amerikanischen Truppen zurück.11 Ab dem 19.03.1945 kam es wieder zu Gefechten, als Einheiten der französischen

4 Luftangriffe taktischer Einheiten wurden in einem Radius von 2 km um das Projektgebiet recherchiert. 5 Da das hierbei eingesetzte US-Flugzeugmuster P-47 nicht mit Bordkanonen für bezünderte Munition ausgerüstet war (GUNSTON 1989, S. 248f.), ist aus dem Beschuss keine Gefährdung abzuleiten. 6 Quellenangaben vgl. Angriffsliste in ANHANG I. 7 BARCH [1]. 8 NOSBÜSCH 1982, S. 112 & 121ff. 9 BETTINGER 2010, S. 339. 10 NARA [1-4]; BETTINGER 2010, S. 347ff.; MEHNER 1984, S. 315; ROBINSON 1948, S. 64ff. 11 NOSBÜSCH 1982, S. 246.

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5e Division Blindée sowie der 3e Division d’Infanterie Algeriénne auf die Region vorrückten.12 Die deutschen Soldaten sprengten auf ihrem Rückzug die Eisenbahnbrücke über die Lauter (300 m südwestlich) bei Berg.13 Aufgrund der Entfernung ist hieraus kein Kampfmittelverdacht für den untersuchten Streckenabschnitt abzuleiten. Berg konnte am 20.03.1945, Neuburg am 24.03.1945 nach deutschem Widerstand eingenommen werden.14 Während der Kämpfe um Berg wurde das Gebiet um das Dorf großräumig vermint. Nach Kriegsende wurden viele der Minen geräumt, es kam aber auch danach noch zu vereinzelten Funden rund um das Dorf.15 Es liegen keine Informationen vor, dass auch die Bahnstrecke vermint worden ist.

4.2 Luftaufnahmen

Zur Dokumentation der Auswertung wurden aus der Liste der verwendeten Bildserien (vgl. Tab. 1) die in Tabelle 2 aufgeführten Luftbilder digital aufbereitet und anhand eines digitalen Orthophotos georeferenziert. Die Lage des Streckenabschnittes (vgl. Abb. 1-4, hellblaue Markierung) wurde auf die historischen Luftbilder übertragen und mit einem Sicherheitspuffer von 50 m versehen (vgl. Abb. 2-4, dunkelblaue Markierung).

Tab. 2: Liste der georeferenzierten Luftbilder

Lfd. Nr.FlugdatumFlug-Nr.Bild-Nr.Menge
108.09.19447-31864102-41032
215.02.1945106G-43103017-30182
313.03.194534-352130641
423.03.194534-364541001
528.08.1945104W-LIB-12133191
Summe:7

Aus der visuellen Interpretation der in Tabelle 1 aufgeführten Luftaufnahmen lassen sich folgende Aussagen ableiten:

  1. Die Bahnstrecke Wörth–Strasbourg (Nr. 3400) sowie die angrenzenden Straßen existierten bereits zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Angrenzende Flächen waren landwirtschaftlich genutzt, im Norden befand sich ein Baggersee sowie eine Anlage zum Kiesabbau. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Kiesabbau erweitert. Inzwischen hat man den Abbau eingestellt und Teile des Sees wieder zugeschüttet (vgl. Abb. 1-4).

  2. Die Bodensicht ist weitgehend uneingeschränkt, partiell führt Vegetation zu Beeinträchtigungen (vgl. Abb. 2-4). Aufgrund der unterschiedlichen Aufnahmezeitpunkte der zahlreichen Luftbildserien (vgl. Tab. 1) können durch Schattenfall bedingte mögliche Erkenntnislücken minimiert werden.

12 CARL [1-2]; 6e RCA: JMO, Web [2]; LATTRE DE TASSIGNY 1949, S. 481ff.; LE GOYET 1972, S. 361ff. 13 STEHLE 1980, S. 190. 14 MICHALON 1976, S. 330; MICHALON 1976, S. 15 STEHLE 1980, S. 179.

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Abb. 2: Das Projektgebiet (hellblau markiert) mit dem um 50 m gepufferten Auswertungsgebiet (dunkelblau) am 01.11.1944 (Flug-Nr. 106G-3474, #4194, Ausgangsmaßstab ca. 1 : 9.000).

  1. Den ausgewerteten Luftbildserien sind keine Hinweise auf eine Belastung des Streckenabschnittes durch Bombenabwürfe zu entnehmen.

  2. Mit Flug 34-3327 vom 29.01.1945 sind im Auswertungsgebiet und der direkten Umgebung eine Vielzahl von Artilleriegranateneinschlägen zu identifizieren (vgl. Abb. 3-4), die aus den intensiven Kampfhandlungen zwischen Dezember 1944 und Januar 1945 resultieren (vgl. Kap. 4.1). Aufgrund der Lage im beschossenen Gebiet ist im gesamten Streckenabschnitt mit blindgegangenen Artilleriegranaten zu rechnen (vgl. ERGEBNISKARTE: KMVF16 Artilleriebeschuss - km12).

16 Kampfmittelverdachtsfläche.

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8

Abb. 3: Artilleriegranateneinschläge im nördlichen Teil des Streckenabschnitts am 15.02.1945 (Flug-Nr. 106G-4310, #3018, Ausgangsmaßstab ca. 1 : 9.000).

Abb. 4: Artilleriegranateneinschläge im südlichen Teil des Streckenabschnitts am 15.02.1945 (Flug-Nr. 106G-4310, #3018, Ausgangsmaßstab ca. 1 : 9.000).

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  1. FAZIT

Für das Projektgebiet „Neuburg am Rhein, Strecke 3400, km 58,4-59,0“ konnte nach Auswertung der vorliegenden Luftbildserien und Unterlagen eine potentielle Kampfmittelbelastung ermittelt werden.

In dem als Kampfmittelverdachtsfläche Artilleriebeschuss – km12 ausgewiesenen Bereich (vgl. ERGEBNISKARTE) muss mit blindgegangenen Geschützgranaten gerechnet werden (Verursachungsszenario Bodenkämpfe). Diese umfasst den gesamten Streckenabschnitt.

Gemäß Baufachlicher Richtlinien Kampfmittelräumung besteht weiterer Erkundungsbedarf (KATEGORIE 2).17 Zur Klärung der weiteren Vorgehensweise empfehlen wir die Konsultation eines Fachplaners für Kampfmittelräumung.

(M. Griesbeck) D. Großmann (M. Lein) M. Sc. Dipl.-Geogr. B. Sc.

  1. Gutachter 2. Gutachter Historische Recherche

17 BMI & BMVG 2018, BFR KMR, S. 46, Web [1].

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  1. QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS

6.1 Quellen

Air Force Historical Research Agency (AFHRA), Maxwell Air Force Base, AL

[1] XIX TACTICAL AIR COMMAND: Morning Summary sunrise 8 November to sunrise 9 November 1944, 08.11.1944. AFHRA Roll B5915, frame 1674.

[2] 358th FIGHTER GROUP: Oprep No. 243 for the period ending Sunset 16 March 1945, 18.03.1945. AFHRA Roll A6355, frame nicht identifizierbar.

[3] 86th FIGHTER GROUP: Daily Operations Report No. 3231, 19.03.1945. AFHRA Roll A6355, frame nicht identifizierbar.

Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg bzw. Berlin (BArch)

[1] GAULEITUNG SAARPFALZ: Fliegermeldung, FS Nr. 557. BARCH NS 1/570.

National Archives Records Administration (NARA), College Park MD [1] 813th TANK DESTROYER BATTALION: Action Against Enemy, Reports After/after Action Reports. NARA RG 407 Entry 427 Box 18698.

[2] VI CORPS: G-2 Periodic Report No 218, from 200001A to 202400A, 21.03.1945. NARA RG 407 Entry 427 Box 3092.

[3] VI CORPS: G-2 Periodic Report No 221, from 230001A to 232400A, 23.03.1945. NARA RG 407 Entry 427 Box 3092.

[4] VI CORPS: G-2 Periodic Report No 222, from 240001A to 242400A, 24.03.1945. NARA RG 407 Entry 427 Box 3092.

Combined Arms Research Library (CARL), Fort Leavenworth KS

[1] VI CORPS ARTILLERY: Daily Periodic Report #192, from 191800A to 201800A Mar 45, 20.03.1945. CARL.

[2] VI CORPS ARTILLERY: Daily Periodic Report #195, from 221800A to 231800A Mar 45, 23.03.1945. CARL.

6.2 Literatur

BETTINGER, D. (2010): Die Geschichte der HGru G. Mai 1944 bis Mai 1945. Teil I: Mai bis Dezember 1944. – Aachen.

DECOT, D. (1990): Pilotes français sur l'Alsace et l'Allemagne. – Paris.

GUNSTON, B. (Hrsg., 1989): Jane's Fighting Aircraft of World War II. – New York.

LATTRE DE TASSIGNY, J.-M. G. (1949): Histoire de la première armée française. Rhin et Danube. – Paris.

LE GOYET, P. (1972): Les Grandes Unités Françaises. Historiques succincts. Guerre 1939-1945. Campagnes de France et d'Allemagne (1944-1945). Band 5, Teil 1. – Paris.

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11

MEHNER, K. (1984): 1. September 1944 - 31. Dezember 1944. (= Die geheimen Tagesberichte der Deutschen Wehrmachtführung im Zweiten Weltkrieg 1939-1945, 11). – Osnabrück.

NOSBÜSCH, J. (1982): Damit es nicht vergessen wird. Pfälzer Land im 2. Weltkrieg: Schauplatz Südpfalz. – Landau/Pfalz.

ROBINSON, W. A. (1948): Through Combat: 314th Infantry Regiment. - o.O.

STEHLE, L. (1980): Berger Ortschronik. – Berg.

6.3 Internetdokumente

[1] BUNDESMINISTERIUM DES INNERN, FÜR BAU UND HEIMAT [BMI] & BUNDESMINISTERIUM DER VERTEIDIGUNG [BMVG] (Hrsg., 2018): Baufachliche Richtlinien Kampfmittelräumung (BFR KMR) – Arbeitshilfen zur Erkundung, Planung und Räumung von Kampfmitteln auf Liegenschaften des Bundes. – Berlin & Bonn. Online abrufbar unter: https://www.bfr- kmr.de/, [Letzter Zugriff: 12.05.2023]. [2] 6e Regiment de Chasseurs d‘Afrique (Hrsg., 1945): Journal de Marche et d’Operations. Online verfügbar unter: http://www.chars-francais.net/2015/index.php/28- documentation/jmo-historiques/608-1944-6e-regiment-de-chasseurs-dafrique-jmo, [Letzter Zugriff: 15.05.2023].

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12

ANHANG I: ANGRIFFSLISTE NEUBURG AM RHEIN – BERG (PFALZ)

Anmerkungen:

(*) Bei Luftangriffen zwischen 1939 und 1942 wird bei Fehlen weiterer Hinweise angenommen, dass es sich um Angriffe der RAF handelt.

Abkürzungen:

Bewaffnung:
Angabe Beladung"Anzahl" x "Gewicht" "Abwurfmittel" ("Zünder vorne" x "Zünder hinten") z.B.: 10 x 100 lb GP (NN x 1/100) oder "Gewicht" "Abwurfmittel" z.B.: 2,5 t HE oder „Bewaffnung“ z.B.: Bordwaffen

Gewicht

lb Gewichtsangabe Pfund

Abwurfmittel

FRAGFragmentation Bomb, Splitterbomben
GPGeneral Purpose, Sprengbomben
INCIncendiary, Brandmittel

Zünderangaben

1/XZeitverzögerung in Bruchteilen von Sekunden
X SecZeitverzögerung in Sekunden
InstInstant, sofortige Auslösung

Einheiten

1st TACAFFirst Tactical Air Force (provisional) der United States Army Air Forces USAAF
1st French Air CorpsFranzösische Einheiten der 1st TACAF
RAFbritische Royal Air Force, vorwiegend strategische Bomber
US 9 AFNinth Air Force der United States Army Air Forces USAAF
XII TACXII Tactical Air Command der 1st TACAF
XIX TACXIX Tactical Air Command der US 9 AF

Flugzeuge

P-47 Jagdbomber P-47 Thunderbolt, Bordwaffenmunition nicht explosiv

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Anzahl/
Lfd.Typ der
DatumEinheitBewaffnungZielBemerkungQuelle
Nr.Flugzeug
e
131.08./01.09. 1940RAF*-30 x BrandbombenKarlsruhe„nachtraeglich wird gemeldet, dass in der nacht vom 31. aug. zum1. sept. 40. bei neuburg / kreis speyer 30 brandbomben abgeworfen wurden. es entstand nur flurschaden. augenscheinlich galt der bombenabwurf der auf der anderen seite des rheines liegenden stadt karlsruhe.“BARCH [1]
“D/B & strafed 1 train R-3343. 2
direct hits; large explosion middle
Bahnstrecke
of train & fire obs. 4 cars des; 1
Wörth–
loco, 8 cars dam. Lines cut 2
US 9 AF,24 x 500 lb GP,Straßburg
20 8.11.194416 P-47places.“AFHRA [1]
XIX TACBordwaffenbei Berg
(Pfalz),
Bombardierung und
Zug
Bordwaffenbeschuss auf einen Zug
bei der Koordinate wR3433.
31 6.03.19451st TACAF, XII TAC8 P-47BordwaffenBerg (Pfalz), Fahrzeuge“35 tanks, half tracks and M/Ts stationary on road headed N at R- 3343 were strafed - 1 M/T damaged.” Bordwaffenbeschuss auf Panzer, Halbkettenfahrzeuge und LKWs bei der Koordinate wR3343.AFHRA [2]
“Bombed road bridge at R-
350423. All bombs hit on or
around bridge, but because of
8 x 260 lb
1stBerg (Pfalz),bombs carried and haze NRO on
FRAG (Inst),
41 9.03.1945TACAF,8 P-47Straßenbrücbridge.”AFHRA [3]
8 x 500 lb INC
XII TACke
(Inst)
Bombardierung auf eine
Straßenbrücke bei der Koordinate
wR359423.
52 0.03.19451st TACAF, 1st French Air Corps8 P-47BordwaffenNeuburg am Rhein, Truppen„Huit ”P. 47” […] mitraillent des troupes dans le village de Neuburg am Rhein.“ (S. 456) Bordwaffenbeschuss auf Truppen in Neuburg am Rhein.DECOT 1990

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ANHANG II: METHODIK DER KAMPFMITTELVORERKUNDUNG

Ziel der Kampfmittelvorerkundung

Die vorliegende Kampfmittelvorerkundung hat die Erfassung und Lokalisierung von dokumentierten Kriegsschäden und Belastungen des Untergrundes infolge von Kriegsereignissen des Zweiten Weltkriegs zum Ziel.

Ursachen der potentiellen Kampfmittelbelastung

Die Ursachen für mögliche Belastungen des Untergrundes mit Kampfmitteln lassen sich in erster Linie auf Angriffe der alliierten strategischen und taktischen Bomberverbände zurückführen. Aufgrund des hohen Gefahrenpotentials, das auch heute noch besonders von Sprengbombenblindgängern ausgeht, ist in den von diesem Bombentyp betroffenen Bereichen von einem hohen potentiellen Kampfmittelrisiko auszugehen. Im Gegensatz dazu ist die Gefährdung, die durch Blindgänger von Brandbomben verursacht wird, als wesentlich geringer einzuschätzen.

Aus der Fachliteratur geht hervor, dass ca. 10-15 % aller im Zweiten Weltkrieg abgeworfenen Sprengbomben nicht zur Detonation gelangten. In einem nachweislich bombardierten Gebiet muss deshalb immer mit Blindgängern gerechnet werden, auch wenn sie luftsichtig nicht (mehr) zu erkennen sind. Die bei der Luftbildauswertung ermittelten Sprengbombeneinwirkungen (Blindgänger- verdachtspunkte, Bombentrichter, zerstörte Bausubstanz, bombardierte Flächen) werden in der Regel um 50 m gepuffert, um eine erhöhte Sicherheit der Befunde gewähren zu können. In dieser Kampfmittelverdachtsfläche Bombardierung muss mit Blindgängern gerechnet werden, die in das Erdreich eingedrungen sein können. Der Puffer kann in begründeten Fällen, z.B. aufgrund einer großen Streuung der Bombardierung, erweitert werden. Bei Brandbomben, insbesondere in dichtbesiedelten Gebieten, ist zu berücksichtigen, dass diese auflösungsbedingt oder infolge eingeschränkter Bodensicht anhand der Luftbilder nicht immer nachgewiesen werden können.

Neben den Auswirkungen der Luftangriffe müssen im Rahmen einer räumlich differenzierten Beurteilung der möglichen Kampfmittelbelastung auch kampfmittelrelevante Flächennutzungen berücksichtigt werden. Dabei handelt es sich insbesondere um Teilflächen, auf denen mit Munition bzw. konventionellen Sprengstoffen jedweder Art umgegangen wurde oder umgegangen worden sein könnte. Aus diesem Grund werden bei der Erfassung der potentiellen Kampfmittelbelastung auch militärisch genutzte Areale (Flakstellungen, Kasernen, Übungsgelände, etc.) und potentielle Entsorgungsbereiche (z.B. Hohlformen, geschobene Flächen, Bombentrichter) sowie Bodenkämpfe berücksichtigt. Generell ist zu berücksichtigen, dass Brücken im Vorfeld der Einnahme häufig zur Sprengung vorbereitet und an den Widerlagern Sprengmittel angebracht, jedoch nicht gezündet wurden. Bei gesprengten Brücken besteht die Möglichkeit, auf versprengte und nicht detonierte Explosivstoffe zu stoßen.

Arbeitsgrundlagen und deren Beschaffung

Luftbilder

Für die multitemporale Luftbildauswertung werden, soweit verfügbar, mehrere Luftbildserien aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges als hochaufgelöste Scans (1.200 dpi) beschafft.

Dem Erwerb der Luftbilder geht eine EDV-gestützte Luftbildrecherche voraus. Die zugrunde liegenden Daten stammen aus dem Bestand der nationalen und internationalen Luftbildarchive

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(englische Archive JARIC, ACIU, MAPRW, amerikanisches Archiv NARA, Archiv Kanada, Archiv Holland, Bundesarchiv Koblenz und firmeneigener Bestand der Luftbilddatenbank).

Auf Basis der Recherche wird eine Bildauswahl getroffen, die eine möglichst gute zeitliche Abdeckung (multitemporal) des gesamten Kriegszeitraums gewährleisten soll. Hierdurch können Schäden an Gebäuden sowie Veränderungen der Bodenoberfläche dokumentiert werden, welche einen Hinweis auf Bombardierungen liefern. Bombardierungsschäden wurden nach einem Luftangriff teilweise sehr rasch behoben. Je länger die Zeitspanne zwischen einem Angriff und verfügbaren Luftaufnahmen ist, umso schwieriger sind Bombardierungsschäden nachzuweisen. In manchen Fällen wurden Schäden annähernd spurenlos beseitigt. Neben einer möglichst zeitlich differenzierten Abdeckung wird die Beschaffung von Bildflügen kurz nach dokumentierten Bombardierungen angestrebt. Erkenntnislücken können aus nicht verfügbaren Luftbildserien bzw. nicht beflogenen Zeiträumen resultieren. Um die letzten Kriegseinwirkungen durch Bodenkämpfe innerhalb eines Untersuchungsgebietes erfassen und den Endbombardierungszustand feststellen zu können, werden – soweit verfügbar – frühestmögliche Bildflüge aus der Nachkriegszeit beschafft.

Quellen und Literatur

Zusätzlich zur Luftbildauswertung wird eine gezielte Recherche und Auswertung von historischen Quellen/Archivalien, der firmeneigenen Bibliothek sowie eine Webrecherche zu den Luft- und Bodenkriegsereignissen in der Region durchgeführt. Zusätzlich wird der telefonische Kontakt mit der Gemeinde, Archiven und Zeitzeugen gesucht.

Die historischen Akten des US-Nationalarchives (NARA), des britischen Nationalarchives (TNA), der Air Force Historical Research Agency (AFHRA) und dem Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation (CAMO) geben Informationen zu im Zweiten Weltkrieg durchgeführten Aufklärungsflügen sowie zu strategischen und taktischen Luftangriffen bzw. Bodenkriegsereignissen wieder. Die Resultate werden durch Auswertung entsprechender deutscher Unterlagen aus dem Bundesarchiv (BArch) und weiteren Archiven auf Landes- und Kommunalebene ergänzt. Zum Teil wurden die Akteneinträge verortet und können über ein geographisches Informationssystem abgefragt werden. In Kombination mit den ermittelten Luftbildbefunden entsteht so ein schlüssiges Gesamtbild der Kriegsgeschehnisse im Bereich des Untersuchungsareals.

Vorgehensweise

Die visuelle Interpretation der Kriegsluftbilder erfolgt unter Verwendung verschiedener geographischer Informationssysteme (Abk. GIS). Mit Hilfe von Bildpaaren kann eine stereoskopische Auswertung durchgeführt werden, wodurch Bildfehler aufgedeckt und Bombardierungsschäden infolge des räumlichen Eindrucks gut identifiziert werden können. Im Vorfeld wird eine digitale Aufbereitung der Luftbilder mittels Adobe Photoshop durchgeführt.

Im Fokus der Luftbildauswertung stehen neben Blindgängerverdachtspunkten unter anderem Bombentrichter, beschädigte Gebäude, Flakstellungen, Flächen mit Hinweisen auf Artilleriebeschuss und Laufgräben. Das hierbei abgeleitete Schadenspotential soll Hinweise auf räumliche Schwerpunkte möglicher Belastungen mit Kampfmitteln geben. In manchen Fällen können bzgl. der potentiellen Kampfmittelbelastung lediglich Verdachtsflächen festgehalten werden. Anschließend werden die Befunde der Luftbildauswertung mit Hilfe des GIS digital in die Kartengrundlage übertragen.

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Die Ergebnisse der Luftbildauswertung werden mit den Ergebnissen der Akten- und Literaturaus- wertung abgeglichen. Daraus erfolgt eine Bewertung der potentiellen Kampfmittelbelastung für das Projektgebiet sowie eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen.

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Alle Unterlagen dieser Ausschreibung