K
AMPFMITTELVORERKUNDUNG
Kreutles am 08.04.1945 (Flugnummer: 7-240A, #4023)
„OBERASBACH, PESTALOZZI SCHULZENTRUM“
A
USWERTUNGSPROTOKOLL
Kampfmittelrisikoprüfung durch kombinierte Luftbild- und Aktenauswertung
Stufe 1: Historische Recherche und Auswertung
Auftraggeber: Stadt Oberasbach Projekt: Oberasbach, Pestalozzi Schulzentrum Datum des Auftrages: 13.01.2025 Abgabedatum: 25.06.2025
- Gutachter:
- Gutachter: Unser Zeichen: Ihr Zeichen: IV / 40.01. vl
Inhaltsverzeichnis
-
ZUSAMMENFASSUNG ................................................................................................ 1
-
AUFGABENSTELLUNG ................................................................................................ 1
-
AUSWERTUNGSGRUNDLAGEN ..................................................................................... 2
3.1 Akten, Fachliteratur und sonstige Quellen............................................................ 2
3.2 Luftaufnahmen ................................................................................................. 2
3.3 Bewertung der Auswertungsgrundlagen ............................................................... 3
- ERGEBNISSE DER AUSWERTUNG ................................................................................... 4
4.1 Akten, Fachliteratur und sonstige Quellen............................................................ 4
4.2 Luftaufnahmen ................................................................................................. 4
-
FAZIT ................................................................................................................... 6
-
QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS .......................................................................... 7
6.1 Quellen ........................................................................................................... 7
6.2 Literatur ........................................................................................................... 7
6.3 Internetdokumente ............................................................................................ 8
ANHANG I: METHODIK DER KAMPFMITTELVORERKUNDUNG ......................................................... 9
ANHANG II: ANGRIFFSLISTE .............................................................................................. 12
- ZUSAMMENFASSUNG
Das vorliegende Gutachten zum Projekt „Oberasbach, Pestalozzi Schulzentrum“ wurde im Rahmen der historischen Kampfmittelvorerkundung erstellt. Es liefert Erkenntnisse über eine mögliche Belastung mit Kampfmitteln. Die Auswertung stützt sich auf 59 Luftaufnahmen von September 1941 bis September 1953 sowie schriftliche Quellen und führt zu folgendem Ergebnis:
Für das Projekt „Oberasbach, Pestalozzi Schulzentrum“ konnte keine potentielle Kampfmittelbelastung ermittelt werden.
Gemäß Baufachlicher Richtlinien Kampfmittelräumung besteht kein weiterer Handlungsbedarf (KATEGORIE 1).1
- AUFGABENSTELLUNG
Gegenstand der Luftbild- und Aktenauswertung ist das etwa 3,5 ha große Gelände der Pestalozzi Schule im Oberasbacher Stadtteil Kreutles im mittelfränkischen Landkreis Fürth (vgl. Abb. 1).
Abb. 1: Lage des Projektgebietes (hellblau markiert) mit hinterlegtem aktuellem Luftbild (© Bayerische Vermessungsverwaltung – www.geodaten.bayern.de).
Zur Prüfung der potentiellen Kampfmittelbelastung werden Unterlagen zum Zweiten Weltkrieg systematisch auf folgende Verursachungsszenarien untersucht: Luftangriffe, Bodenkämpfe, Munitionsvernichtung, militärischer Regelbetrieb, Munitionsproduktion und -lagerung.2 Dazu zählen unter anderem Blindgängerverdachtspunkte, Bombentrichter, bombardierte Flächen, Gebäude- schäden, Spuren von Bodenkämpfen, militärisch genutzte Areale oder potentielle Entsorgungs- bereiche.
1 BIMA & BMVG 2024, BFR KMR, S. 42, Web [1]. 2 BIMA & BMVG 2024, BFR KMR, S. 141-172, Web [1].
1
- AUSWERTUNGSGRUNDLAGEN
3.1 Akten, Fachliteratur und sonstige Quellen
Für die Ermittlung historischer Daten der für die Kampfmittelvorerkundung wesentlichen Kriegsereignisse greift die L auf umfangreiche Bestände an Text- und Bilddokumenten versch ler Archive sowie eine eigene, ständig aktualisierte Bibliothek mit über 8.000 Titeln zurück. Neben der Auswertung einschlägiger Literatur ermöglicht eine interne datenbanktechnische Aufarbeitung von Archivalien einen umfassenden und schnellen Zugriff auf aussagekräftige Quellen; sie dient als Ausgangspunkt für weitere Nachforschungen in Internetdokumenten, Fachdatenbanken, Katalogen, Archiven und Sammlungen. Zur weiteren Erfassung kampfmittelrelevanter Informationen werden historische Vereine, lokale Experten und eventuelle Zeitzeugen kontaktiert.
Die Bestände nachfolgender Archive werden standardmäßig durchsucht:
• U.S. National Archives and Records Administration (NARA, College Park MD, US- amerikanisches Nationalarchiv) • U.S. Air Force Historical Research Agency (AFHRA, Maxwell AL, Archiv der US- amerikanischen Luftstreitkräfte) • The National Archives (TNA, Kew, britisches Nationalarchiv) • Ike Skelton Combined Arms Research Library (CARL, Fort Leavenworth KS, Bibliothek der US-amerikanischen Streitkräfte) • Bundesarchiv der BRD (BArch)
Die daraus gewonnenen Erkenntnisse, ergänzt durch Staats- und Landesarchive sowie regionale Quellen, werden in Kapitel 4 detailliert beschrieben. Die entsprechenden Quellennachweise finden sich in Kapitel 6.
3.2 Luftaufnahmen
Die Recherche der historischen Bildflüge erfolgte in den britischen Archivbeständen des Joint Air Reconnaissance Intelligence Centre (JARIC) und der Allied Central Interpretation Unit (ACIU), der NARA, dem BArch, der kanadischen National Air Photo Library Ottawa (NAPL), den niederländischen Luftbildsammlungen Kadaster und Wageningen sowie dem firmeneigenen Bestand der
Für das Projekt „Oberasbach, Pestalozzi Schulzentrum“ wurden die in Tabelle 1 aufgelisteten Luftbildserien ausgewertet. Die Aufnahmen liegen als digitale Scans in einer Auflösung von 1.200 dpi vor, um alle Bilddetails erfassen zu können.3 Die Bildpaare können zu stereoskopischen Auswertungszwecken verwendet werden.
3 BIMA & BMVG 2024, BFR KMR, S. 190, Web [1].
2
Tab. 1: Liste der verwendeten Luftbilder
| Maßstab | |||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Lfd. Nr. | Flug-Nr. | Flugdatum | Bild-Nr. | Menge | Bildpaare | ||||||||
| [ca. 1 : X] | |||||||||||||
| 1 | T-709 | 28.09.1941 | 25.000 | 906-907 | 2 | 1 | |||||||
| 2 | D-227 | 10.03.1943 | 9.000 | 5093, 5095 | 2 | - | |||||||
| 3 | 106G-1294 | 07.07.1944 | 56.000 | 7005-7006 | 2 | 1 | |||||||
| 4 | 7-2352 | 18.07.1944 | 61.000 | 7014 | 1 | - | |||||||
| 5 | 106G-2169 | 12.08.1944 | 58.000 | 7019 | 1 | - | |||||||
| 6 | 106G-2663 | 06.09.1944 | 5.000 | 3342 | 1 | - | |||||||
| 7 | 106G-2756 | 10.09.1944 | 56.000 | 7009 | 1 | - | |||||||
| 8 | 106G-2873 | 13.09.1944 | 10.000 | 4051 | 1 | - | |||||||
| 9 | 7-034A | 17.12.1944 | 28.000 | 7069-7070 | 2 | 1 | |||||||
| 10 | 32-0591 | 23.12.1944 | 11.000 | 3072 4073 | 2 | - | |||||||
| 11 | 7-041A | 24.12.1944 | 60.000 | 8016-8017 | 2 | 1 | |||||||
| 12 | 106G-3923 | 25.12.1944 | 13.000 | 4078-4079 | 2 | 1 | |||||||
| 13 | 106G-3963 | 28.12.1944 | 8.500 | 3268 | 1 | - | |||||||
| 14 | 7-3918 | 14.02.1945 | 50.000 | 7007-7008 | 2 | 1 | |||||||
| 15 | 7-088A | 16.02.1945 | 50.000 | 8144-8145 | 2 | 1 | |||||||
| 16 | 7-3961 | 20.02.1945 | 13.000 | 4051 | 1 | - | |||||||
| 17 | 7-124A | 02.03.1945 | 46.000 | 8015 | 1 | - | |||||||
| 18 | 7-149A | 13.03.1945 | 12.000 | 4113 | 1 | - | |||||||
| 19 | 7-177A | 15.03.1945 | 48.000 | 8211 | 1 | - | |||||||
| 20 | 32-0905 | 21.03.1945 | 40.000 | 5070-5071 | 2 | 1 | |||||||
| 21 | 34-3724 | 08.04.1945 | 11.000 | 4001-4002 | 2 | 1 | |||||||
| 22 | 7-240A | 08.04.1945 | 12.000 | 3113-3115 4022-4024 | 6 | 4 | |||||||
| 23 | 34-3812 | 11.04.1945 | 10.000 | 4066 4070-4071 | 3 | 1 | |||||||
| 24 | 30-6103 | 17.05.1945 | 29.000 | 7002, 7027 | 2 | - | |||||||
| 25 | 7LOC-41A | 07.06.1945 | 20.000 | 8022 | 1 | - | |||||||
| 26 | 365-BS-2162-11 | 22.07.1945 | 40.000 | 62-64 172-173 | 5 | 3 | |||||||
| 27 | 365-BS-2173-21 | 26.07.1945 | 40.000 | 70-71 112-113 | 4 | 2 | |||||||
| 28 | 2-3741 | 05.09.1947 | 15.000 | 4236-4237 4407-4408 | 4 | 2 | |||||||
| 29 | AMS-098 | 02.09.1953 | 23.000 | 19284-19285 | 2 | 1 | |||||||
| Summe: | 59 | 22 |
3.3 Bewertung der Auswertungsgrundlagen
Für die Region Oberasbach/Kreutles stehen Akten aus der AFHRA, der NARA und den TNA, regionale und überregionale Fachliteratur sowie online recherchierte Informationen zur Verfügung.
Es liegen je eine Luftbildserie aus 1941 und 1943 sowie zahlreiche weitere ab Juli 1944 vor. Die Situation nach der Einnahme wird ab dem 17.05.1945 durch vier Befliegungen dokumentiert. Dies wird ergänzt durch zwei Flüge aus 1947 und 1953.
Diese Grundlagen liefern detaillierte Informationen zum Luft- und Bodenkrieg in der Gegend, somit kann eine belastbare Risikobewertung erfolgen.
- ERGEBNISSE DER AUSWERTUNG
4.1 Akten, Fachliteratur und sonstige Quellen
Die Analyse der Unterlagen führte zu dem Ergebnis, dass die Region im Zweiten Weltkrieg mehrfach von strategischen und gegen Kriegsende auch taktischen4 alliierten Luftangriffen betroffen war. Diese wurden zwischen 08.03.1943 und 12.04.1945, soweit bekannt, von der britischen Royal Air Force sowie der First Tactical Air Force der United States Army Air Forces durchgeführt.5 Ziele der Angriffe waren u.a. die großen Bahnhöfe im 4 km östlich gelegenen Nürnberg sowie die Flakstellungen in der Region. Zum Einsatz kamen hierbei Spreng- und Brandbomben, Luft-Boden-Raketen sowie Bordwaffen6. Für das Projektgebiet liegen keine Hinweise auf Bombenabwürfe vor (vgl. auch Kap. 4.2). Eine Angriffsliste zur Region kann ANHANG II entnommen werden. Bodentruppen der 42nd Infantry Division der US-Army besetzten das damals noch eigenständige Kreutles ohne dokumentierte Kampfhandlungen am 18.04.1945.7
4.2 Luftaufnahmen
Die Lage des Projektgebietes (vgl. Abb. 1-3, hellblaue Markierung) wurde näherungsweise auf die historischen Luftbilder übertragen und mit einem Sicherheitspuffer von 50 m versehen (vgl. Abb. 2-3, dunkelblaue Markierung).
Abb. 2: Zwei Flakstellungen nordöstlich des Projektgebietes (hellblau markiert) mit dem um 50 m gepufferten Auswertungsgebiet (dunkelblau) am 11.04.1945 (Flug-Nr. 34-3812, #4070).
4 Luftangriffe taktischer Einheiten wurden in einem Radius von 2 km um das Projektgebiet recherchiert. 5 Quellenangaben vgl. Angriffsliste in ANHANG II. 6 Da die im süddeutschen Raum bei Tieffliegerangriffen mit Bordwaffen üblicherweise eingesetzten US-Flugzeugtypen P-47 und P-51 nicht mit Bordkanonen für Explosivgeschosse ausgerüstet waren (GUNSTON 1989 S. 254f. & 248f.), ist aus dem Beschuss keine Gefährdung abzuleiten. 7 DALY 1946, S. 90; MAHR 1995, S. 232; MAHR 1998, S. 53.
4
Aus der visuellen Interpretation der in Tabelle 1 aufgeführten Luftaufnahmen lassen sich folgende Aussagen ableiten:
-
Das Auswertungsgebiet war zur Zeit des Zweiten Weltkrieges überwiegend landwirtschaftlich genutzt, im Westen standen einzelne Gebäude und die heutige Langenäckerstraße existierte bereits. Zwischenzeitlich hat man auf dem Areal die Pestalozzischule inklusive Sportanlagen errichtet (vgl. Abb. 1-3).
-
Die Bodensicht ist weitgehend uneingeschränkt, vereinzelt führen Gebäude zu Beeinträchtigungen (vgl. Abb. 2-3). Aufgrund der unterschiedlichen Aufnahmezeitpunkte der Luftbildserien (vgl. Tab. 1) können durch Schattenfall bedingte mögliche Erkenntnislücken minimiert werden.
-
Keiner der ausgewerteten Luftbildserien (vgl. Tab. 1) sind Hinweise auf eine Belastung des Projektgebietes durch Bombenabwürfe zu entnehmen.
-
Mit der Nachkriegsbefliegung vom 17.05.1945 (Flug-Nr. 30-6103) sind mindestens 120 m südlich des Projektareals vier helle Bodenstrukturen festzustellen, deren Erscheinungsbild auf Granatenbeschuss hinweist (vgl. Abb. 3), wenngleich weder Akten noch Literatur hierzu Hinweise liefern. Im Auswertungsgebiet selbst sind keine Beschussspuren festzustellen. Da die vermuteten Granateneinschläge sehr konzentriert in einem kleinen Areal auftreten und Abstände von maximal 100 m zueinander aufweisen, wird daraus aufgrund der Distanz kein Kampfmittelverdacht für das Projektgebiet abgeleitet.
-
Bereits ab dem 28.12.1944 (Flug-Nr. 106G-3963) ist mindestens 30 m östlich des Projektareals eine Flakstellung zu identifizieren (vgl. Abb. 2-3). Aufgrund deren Lage außerhalb des Projektgebietes ist daraus keine potentielle Kampfmittelbelastung abzuleiten.
Abb. 3: Potentielle Granateneinschläge etwa 120 m südlich des Projektareals am 17.05.1945 (Flug-Nr. 30-6103, #7027).
5
- FAZIT
Für das Projekt „Oberasbach, Pestalozzi Schulzentrum“ konnte nach Auswertung der vorliegenden Luftbildserien und Unterlagen keine potentielle Kampfmittelbelastung ermittelt werden.
Gemäß Baufachlicher Richtlinien Kampfmittelräumung besteht kein weiterer Handlungsbedarf (KATEGORIE 1).8
8
6
- QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS
6.1 Quellen
Air Force Historical Research Agency (AFHRA), Maxwell Air Force Base, AL
[1] 358TH FIGHTER GROUP: Oprep No. 265 for the period ending 7 April 1945, 11.04.1945. AFHRA Roll A6356, Frame 377.
[2] 50TH FIGHTER GROUP: Operations Order, Oprep A No. 333 fro 24 hours ending sunset 9 April 1945, 09.04.1945. AFHRA Roll A6356, Frame 172.
[3] 86TH FIGHTER GROUP: Daily Operations Report No. 3497, 12.04.1945. AFHRA Roll A6355, Frame nicht identifizierbar.
National Archives Records Administration (NARA), College Park MD
[1] VI CORPS: G-2 Periodic Report, No 247, 19.04.1945, NARA RG 407 Entry 427 Box 3092.
The National Archives (TNA), London, Kew
[1] ROYAL AIR FORCE 4 GROUP: B Form 41, 08.03.1943. TNA AIR 14/3100.
[2] ROYAL AIR FORCE 5 GROUP: B Form 963, 08.03.1943. TNA AIR 14/3100.
[3] ROYAL AIR FORCE 6 GROUP: B Form 60, 08.03.1943. TNA AIR 14/3100.
[4] ROYAL AIR FORCE 1 GROUP: B Form 1028, 08.03.1943. TNA AIR 14/3100.
[5] ROYAL AIR FORCE 1 GROUP: B Form 1180, 10.08.1943. TNA AIR 14/3105.
[6] ROYAL AIR FORCE 3 GROUP: B Form 187, 10.08.1943. TNA AIR 14/3105.
[7] ROYAL AIR FORCE 4 GROUP: B Form 178, 10.08.1943. TNA AIR 14/3105.
[8] ROYAL AIR FORCE 5 GROUP: B Form 56, 10.08.1943. TNA AIR 14/3105.
[9] ROYAL AIR FORCE 6 GROUP: B Form 183, 10.08.1943. TNA AIR 14/3105
[10] ROYAL AIR FORCE 8 GROUP: B Form 432, 07.01.1945. TNA AIR 14/3131.
[11] ROYAL AIR FORCE 1 GROUP: B Form 1673, 16.03.1945. TNA AIR 14/3134.
[12] ROYAL AIR FORCE 8 GROUP: B Form 572, 16.03.1945. TNA AIR 14/3134.
6.2 Literatur
BURKHARD, L. (1983): Bedrohungsatlas Bundesrepublik Deutschland. – Wuppertal. DALY, H.C. (1946): 42nd Rainbow Infantry Division. A Combat History of World War II. – Baton Rouge.
DILL, H. G.; HETZ, K. (2014): Luftkrieg von Aschaffenburg bis Zwiesel – ein militärisch-technisches Feature zur Heimatgeschichte Nordbayerns. – Weißenstadt.
GUNSTON, B. (Hrsg., 1989): Jane's Fighting Aircraft of World War II. – New York.
MAHR, H. (1995): Oberasbach. Tausend Jahre und mehr. – Oberasbach.
MAHR, H. (1998): Die Besetzung des Landkreises und der Stadt Fürth durch die US-Army im April 1945. In: Fürther Heimatblätter, Neue Folge, 48/1-2. S. 1–70.
6.3 Internetdokumente
[1] BUNDESANSTALT FÜR IMMOBILIENAUFGABEN [BIMA] & BUNDESMINISTERIUM DER VERTEIDIGUNG [BMVG] (Hrsg., 2024): Baufachliche Richtlinien Kampfmittelräumung (BFR KMR) – Arbeitshilfen zur Planung und Durchführung der Erkundung sowie der Räumung von Kampfmitteln auf Liegenschaften des Bundes. – Berlin & Bonn. Online abrufbar unter: https://www.bfr-kmr.de/index.html, [Letzter Zugriff: 23.06.2025].
[2] BAYERISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR WISSENSCHAFT UND KUNST [STMWK], HAUS DER BAYERISCHEN GESCHICHTE [HDBG]: Bayern nach 1945, Eintrag: Oberasbach. Online abrufbar unter: https://hdbg.eu/wiederaufbau/orte/detail/oberasbach/116, [Letzter Zugriff: 23.06.2025].
8
ANHANG I: METHODIK DER KAMPFMITTELVORERKUNDUNG
Ziel der Kampfmittelvorerkundung
Die vorliegende Kampfmittelvorerkundung hat die Erfassung und Lokalisierung von dokumentierten Kriegsschäden und Belastungen des Untergrundes infolge von Kriegsereignissen des Zweiten Weltkriegs zum Ziel.
Ursachen der potentiellen Kampfmittelbelastung
Die Ursachen für mögliche Belastungen des Untergrundes mit Kampfmitteln lassen sich in erster Linie auf Angriffe der alliierten strategischen und taktischen Bomberverbände zurückführen. Aufgrund des hohen Gefahrenpotentials, das auch heute noch besonders von Sprengbombenblindgängern ausgeht, ist in den von diesem Bombentyp betroffenen Bereichen von einem hohen potentiellen Kampfmittelrisiko auszugehen. Im Gegensatz dazu ist die Gefährdung, die durch Blindgänger von Brandbomben verursacht wird, als wesentlich geringer einzuschätzen.
Aus der Fachliteratur geht hervor, dass ca. 10-15 % aller im Zweiten Weltkrieg abgeworfenen Sprengbomben nicht zur Detonation gelangten. In einem nachweislich bombardierten Gebiet muss deshalb immer mit Blindgängern gerechnet werden, auch wenn sie luftsichtig nicht (mehr) zu erkennen sind. Die bei der Luftbildauswertung ermittelten Bombardierungseinwirkungen (Blindgängerverdachtspunkte, Bombentrichter, zerstörte Bausubstanz, bombardierte Flächen) werden in der Regel, abweichend von der intensitätsbasierten Methode der Baufachlichen Richtlinien, um 50 m gepuffert, um eine erhöhte Sicherheit der Befunde gewähren zu können. In dieser Kampfmittelverdachtsfläche Bombardierung muss mit Blindgängern gerechnet werden, die in das Erdreich eingedrungen sein können. Der Puffer kann in begründeten Fällen, z.B. aufgrund einer großen Streuung der Bombardierung, erweitert werden. Bei Brandbomben, insbesondere in dichtbesiedelten Gebieten, ist zu berücksichtigen, dass diese auflösungsbedingt oder infolge eingeschränkter Bodensicht anhand der Luftbilder nicht immer nachgewiesen werden können.
Neben den Auswirkungen der Luftangriffe müssen im Rahmen einer räumlich differenzierten Beurteilung der möglichen Kampfmittelbelastung auch kampfmittelrelevante Flächennutzungen berücksichtigt werden. Dabei handelt es sich insbesondere um Teilflächen, auf denen mit Munition bzw. konventionellen Sprengstoffen jedweder Art umgegangen wurde oder umgegangen worden sein könnte. Aus diesem Grund werden bei der Erfassung der potentiellen Kampfmittelbelastung auch militärisch genutzte Areale (Flakstellungen, Kasernen, Übungsgelände, etc.) und potentielle Entsorgungsbereiche (z.B. Hohlformen, geschobene Flächen, Bombentrichter) sowie Bodenkämpfe berücksichtigt. Generell ist zu berücksichtigen, dass Brücken im Vorfeld der Einnahme häufig zur Sprengung vorbereitet und an den Widerlagern Sprengmittel angebracht, jedoch nicht gezündet wurden. Bei gesprengten Brücken besteht die Möglichkeit, auf versprengte und nicht detonierte Explosivstoffe zu stoßen.
Arbeitsgrundlagen und deren Beschaffung
Luftbilder
Für die multitemporale Luftbildauswertung werden, soweit verfügbar, mehrere Luftbildserien aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges als hochaufgelöste Scans (1.200 dpi) beschafft.
Dem Erwerb der Luftbilder geht eine EDV-gestützte Luftbildrecherche voraus. Die zugrunde liegenden Daten stammen aus dem Bestand der nationalen und internationalen Luftbildarchive
9
(englische Archive JARIC, ACIU, MAPRW, amerikanisches Archiv NARA, Archiv Kanada, Archiv Holland, Bundesarchiv Koblenz und
Auf Basis der Recherche wird eine Bildauswahl getroffen, die eine möglichst gute zeitliche Abdeckung (multitemporal) des gesamten Kriegszeitraums gewährleisten soll. Hierdurch können Schäden an Gebäuden sowie Veränderungen der Bodenoberfläche dokumentiert werden, welche einen Hinweis auf Bombardierungen liefern. Bombardierungsschäden wurden nach einem Luftangriff teilweise sehr rasch behoben. Je länger die Zeitspanne zwischen einem Angriff und verfügbaren Luftaufnahmen ist, umso schwieriger sind Bombardierungsschäden nachzuweisen. In manchen Fällen wurden Schäden annähernd spurenlos beseitigt. Neben einer möglichst zeitlich differenzierten Abdeckung wird die Beschaffung von Bildflügen kurz nach dokumentierten Bombardierungen angestrebt. Erkenntnislücken können aus nicht verfügbaren Luftbildserien bzw. nicht beflogenen Zeiträumen resultieren. Um die letzten Kriegseinwirkungen durch Bodenkämpfe innerhalb eines Untersuchungsgebietes erfassen und den Endbombardierungszustand feststellen zu können, werden – soweit verfügbar – frühestmögliche Bildflüge aus der Nachkriegszeit beschafft.
Quellen und Literatur
Zusätzlich zur Luftbildauswertung wird eine gezielte Recherche und Auswertung von historischen Quellen/Archivalien, der firmeneigenen Bibliothek sowie eine Webrecherche zu den Luft- und Bodenkriegsereignissen in der Region durchgeführt. Zusätzlich wird der telefonische Kontakt mit der Gemeinde, Archiven und Zeitzeugen gesucht.
Die historischen Akten des US-Nationalarchives (NARA), des britischen Nationalarchives (TNA), der Air Force Historical Research Agency (AFHRA) und dem Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation (CAMO) geben Informationen zu im Zweiten Weltkrieg durchgeführten Aufklärungsflügen sowie zu strategischen und taktischen Luftangriffen bzw. Bodenkriegsereignissen wieder. Die Resultate werden durch Auswertung entsprechender deutscher Unterlagen aus dem Bundesarchiv (BArch) und weiteren Archiven auf Landes- und Kommunalebene ergänzt. Zum Teil wurden die Akteneinträge verortet und können über ein geographisches Informationssystem abgefragt werden. In Kombination mit den ermittelten Luftbildbefunden entsteht so ein schlüssiges Gesamtbild der Kriegsgeschehnisse im Bereich des Untersuchungsareals.
Vorgehensweise
Die visuelle Interpretation der Kriegsluftbilder erfolgt unter Verwendung verschiedener geographischer Informationssysteme (Abk. GIS). Mit Hilfe von Bildpaaren kann eine stereoskopische Auswertung durchgeführt werden, wodurch Bildfehler aufgedeckt und Bombardierungsschäden infolge des räumlichen Eindrucks gut identifiziert werden können. Im Vorfeld wird eine digitale Aufbereitung der Luftbilder mittels Adobe Photoshop durchgeführt.
Im Fokus der Luftbildauswertung stehen neben Blindgängerverdachtspunkten unter anderem Bombentrichter, beschädigte Gebäude, Flakstellungen, Flächen mit Hinweisen auf Artilleriebeschuss und Laufgräben. Das hierbei abgeleitete Schadenspotential soll Hinweise auf räumliche Schwerpunkte möglicher Belastungen mit Kampfmitteln geben. In manchen Fällen können bzgl. der potentiellen Kampfmittelbelastung lediglich Verdachtsflächen festgehalten werden. Anschließend werden die Befunde der Luftbildauswertung mit Hilfe des GIS digital in die Kartengrundlage übertragen.
Die Ergebnisse der Luftbildauswertung werden mit den Ergebnissen der Akten- und Literaturaus- wertung abgeglichen. Daraus erfolgt eine Bewertung der potentiellen Kampfmittelbelastung für das Projektgebiet sowie eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen.
11
ANHANG II: ANGRIFFSLISTE
Anmerkungen:
Da keine Hinweise auf Bombenabwürfe im Projektgebiet vorliegen, stellt die Liste lediglich eine vereinfachte Fassung der Angriffe dar. Informationen zur Beladung und Bezünderung werden hier nicht aufgeführt.
Abkürzungen:
Einheiten 1st TACAF First Tactical Air Force (provisional) der United States Army Air Forces USAAF RAF britische Royal Air Force, vorwiegend strategische Bomber XII TAC XII Tactical Air Command der 1st TACAF
Flugzeuge P-47 Jagdbomber P-47 Thunderbolt, Bordwaffenmunition nicht explosiv
| Anzahl/ | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Lfd. | Typ der | ||||||
| Datum | Einheit | Bewaffnung | Ziel | Bemerkung | Quelle | ||
| Nr. | Flug- | ||||||
| zeuge | |||||||
| 1 | 0 8./09.03.1943 | RAF | 294 | Spreng- & Brandbomben | Nürnberg | „Als in der Nacht vom 8. zum 9. März 1943 335 viermotorige eng- lische Kampfflugzeuge Nürnberg angriffen, wurden sie von einem rasenden Abwehrfeuer der von Scheinwerfern unterstützten Flak- batterien empfangen. Da der Standort der Geschütze durch ihr Mündungsfeuer leicht auszu- machen war, griffen „Raiders“ die Flak und Scheinwerferstellungen auch in Kreutles mit Spreng und Brandbomben an. Sie verfehlten zwar ihr Ziel, verursachten aber da- für in Altenberg erhebliche Schä- den in der Rothenburger Straße, der Oberasbacher Straße (heute Rangaustraße), der Weimarer, der Lauschaer und der Sonneberger Straße“. | TNA [1] – [4]; MAHR 1995 |
| „[…] Als dann die Kampfflugzeuge | |||||||
| Nürnberg mit 680 Sprengbomben, | |||||||
| 16000 Benzin-Phosphorbomben | |||||||
| und 71000 Stabbrandbomben an- | |||||||
| griffen, fielen wiederum Bomben | |||||||
| auf Oberasbach, und eine Luft- | |||||||
| Spreng- & | mine, die wahrscheinlich der Batte- | TNA [5] – [9]; | |||||
| 2 | 1 0./11.08.1943 | RAF | 611 | Nürnberg | |||
| Brandbomben | rie und den Scheinwerfern gegol- | MAHR 1995 | |||||
| ten, jedoch ihr Ziel verfehlt hatte, | |||||||
| traf das Wohnhaus der Familie | |||||||
| Bauer, damals Oberasbacher | |||||||
| Straße 5, heute Rangaustraße. In | |||||||
| diesem Haus starben. […] Der An- | |||||||
| griff hatte große Schäden in der | |||||||
| Lfd. | Typ der | ||||||
| Datum | Einheit | Bewaffnung | Ziel | Bemerkung | Quelle | ||
| Nr. | Flug- | ||||||
| zeuge | |||||||
| Gemeinde Oberasbach hervorge- | |||||||
| rufen. Nach der Aufstellung der | |||||||
| NSDAP-Ortsgruppe Oberasbach | |||||||
| für die Befehlsstelle der Kreisleitung | |||||||
| […] waren vier Wohnhäuser zer- | |||||||
| stört, 9 weitere mittelschwer und | |||||||
| 16 leicht beschädigt […]“. | |||||||
| 3 | A b August 1943 | - | - | Spreng- & Brandbomben | Nürnberg | „Mit diesen beiden Luftangriffen war es aber nicht getan. Immer wieder kam es zu Notabwürfen von Spreng- und Brandbomben über Oberasbach, wenn feindliche Ma- schinen bei ihren Angriffen auf Nürnberg den Sperrfeuergürtel über unserem Raum durchfliegen mußten und dabei getroffen wur- den oder schon vorher ihre Bom- ben I abwarfen, um ab-drehen und damit dem von ihnen gefürchteten Flakfeuer entgehen zu können. Die meisten gingen auf den Feldern und Wiesen der Gemeinde nieder und richteten an den Gebäuden keine größeren Schäden an.“ (MAHR 1995, S. 224) „Ähnlich wie bei den zuvor ge- nannten Orten waren Notwürfe oder Streubombenabwürfe auf den Ort im Zuge eines Angriffs auf Nürnberg an der Tagesordnung. Die Fla-Stellungen wurden aber auch gezielt von Begleitjägern be- sonders in den letzten Kriegstagen angegriffen.“ (DILL & HETZ 2014, S. 552) | MAHR 1995; DILL & HETZ 2014 |
| „Auf den amerikanischen Luftbil- | |||||||
| dern von 1945 sind aber auch | |||||||
| Trichter von Sprengbomben zu er- | |||||||
| kennen, einer 200 Meter südöstlich | |||||||
| der Schäferei Walter an der Hain- | |||||||
| bergstraße und mehrere nördlich | |||||||
| der Bahnlinie Nürnberg-Ansbach, | |||||||
| an der Straße nach Stein und im | |||||||
| 4 | 1944 | - | - | Sprengbomben | - | MAHR 1995 | |
| Wiesengrund. Sie stammen von | |||||||
| Zeitzünderbomben, von denen eine | |||||||
| bei der Schäferei 1944 an einem | |||||||
| nicht mehr genau zu bestimmen- | |||||||
| den Tag früh um vier Uhr losging | |||||||
| und mit ihrem Luftdruck in Kreutles | |||||||
| alle Fensterscheiben zertrüm- | |||||||
| merte.“ (MAHR 1995, S. 224f.) | |||||||
| 5 | 0 7./08.01.1945 | RAF | 18 | Spreng- & Brandbomben | Nürnberg | „Die letzten Schäden dieser Art ent- standen bei Luftangriffen in der | TNA [10]; MAHR 1995 |
13
| Anzahl/ | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Lfd. | Typ der | ||||||
| Datum | Einheit | Bewaffnung | Ziel | Bemerkung | Quelle | ||
| Nr. | Flug- | ||||||
| zeuge | |||||||
| Nacht vom 7. auf den 8. Januar 1945 […].“ (MAHR 1995, S. 225) | |||||||
| „Die letzten Schäden dieser Art ent- | |||||||
| standen bei Luftangriffen […]am | |||||||
| 16. März 1945, als ein kleiner | |||||||
| TNA [11] & | |||||||
| Spreng- & | englischer Verband bei einem Ab- | ||||||
| 6 | 1 6./17.03.1945 | RAF | 283 | Nürnberg | [12]; | ||
| Brandbomben | lenkungsangriff Nürnberg bombar- | ||||||
| MAHR 1995 | |||||||
| dierte, während das Gros der An- | |||||||
| griffswellen Würzburg in Schutt und | |||||||
| Asche legte.“ (MAHR 1995, S. 225) | |||||||
| 7 | 07.04.1945 | 1st TA- CAF, XII TAC | 8 P-47 | Bordwaffen | Bahnstrecke Nürnberg - Crailsheim, Umgebung Oberas- bach, Zug | „Kurz vorher hatten amerikanische Jäger auf der Bahnlinie Nürnberg- Stuttgart bei Unterasbach direkt hinter dem Haus Pfannenmüller, Hauptstraße 34, die Dampflok ei- nes Zuges zusammengeschossen und durch die Einschüsse an der Hauswand, in den Zimmern und am Dach erhebliche Schäden ver- ursacht.“ (MAHR 1995, S. 233) "Strafed loco and 10 box cars at T- 3495 with smoke and flame com- ing from the loco for several minutes and then dies away - 1 loco and 10 RR cars dam." Bordwaffenbeschuss auf einen Zug bei der Koordinate wT3495. (AFHRA [1]) | AFHRA [1]; MAHR 1995 |
| "1 M/T was destroyed at T-338962 | |||||||
| by 2 x M.17 incendiary clusters, 4 x | |||||||
| 1st | Brandbomben & | Umgebung | 5'' rockets." | ||||
| 8 | 09.04.1945 | TACAF, | 8 P-47 | Luft-Boden- | Oberasbach | AFHRA [2] | |
| XII TAC | Raketen | , Fahrzeug | Bombenabwurf und Raketenbe- | ||||
| schuss auf ein Fahrzeug bei der | |||||||
| Koordinate wT338962. | |||||||
| 9 | 12.04.1945 | 1st TACAF, XII TAC | 11 P-47 | Bordwaffen | Umgebung Gerbersdorf, Fahrzeuge | “Strafing results: 3 m/t des & 1 m/t dam T-3797.“ Bordwaffenbeschuss auf Fahr- zeuge bei der Koordinate wT3797. | AFHRA [3] |